#32 Riskante Reform: Mit der Rente an die Börse
Shownotes
Die Bundesregierung will die Rente reformieren. Dabei geht es nicht um ein Reförmchen, sondern eine Zäsur. Zentral dabei: Die gesetzliche Rente soll abgesenkt und zugleich ergänzt werden um ein neues System, Stichwort Aktienrente. Ein Teil der Rentenbeiträge soll also künftig am Finanzmarkt angelegt werden. Die Renditen, so das Versprechen, werden die Kürzungen in der gesetzlichen Rente ausgleichen. Aber kann diese Strategie aufgehen bzw. welche Gefahren sind damit verbunden? Wir sprechen über die Reformvorschläge und wie es mit Blick auf die geplanten Sozialkürzungen weitergeht.
Schreibt uns an: armutszeugnis@rosalux.org
Alle Podcasts der Rosa-Luxemburg-Stiftung: www.rosalux.de/podcasts
Du möchtest keine Podcast-Folge mehr verpassen? Abonniere unseren monatlichen Newsletter.
Shownotes:
Eva Völpel (2026): Die Kettensäge bleibt angesetzt, bzw.: das Sozialstaatsdossier der RLS
Protesttag Automobilindustrie / aktuelle Sozialproteste: „Wir brauchen reale Alternativen, keine Lügenmärchen“ (Gespräch mit Vertrauensfrau Sanaa Boukayeo, Leiterin Vertrauenskörper Opel Rüsselsheim) sowie Wolf, Luigi: Streik wirkt!
„Wir müssen alle mehr und länger arbeiten“. Mythen und Fakten zur Rentenpolitik. Argumente-Heft der RLS (September 2026) – kostenlos bestellbar – auch zum weiterverteilen!
Ausführlichere Umfrage Sozialkürzungen: Behringer, Jan; Dullien, Sebastian; Endres, Lukas (2026): Sozialstaatsdebatte belastet privaten Konsum und Vertrauen in die Regierung - Erkenntnisse aus einer Online-Umfrage.
Sebastian Dullien/Katja Rietzler (2025): Sozialstaatsdebatte krankt an mangelnder Analyse und Fokus auf Scheinprobleme.
Alterssicherungskommission: Empfehlungen der Alterssicherungskommission (Stand Juni 2026)
Florian Blank et al (2026): Empfehlungen der Rentenkommission bergen Risiken und Nebenwirkungen – Teilweise Umstellung auf Kapitaldeckung gefährdet Wirtschaftswachstum und soziale Sicherung.
Mitbringsel:
Vergesellschaftungstag (10. Oktober): alles-fuer-alle.org
Transkript anzeigen
Sabine Nuss: Hallo und herzlich willkommen zur 32. Folge von Armutszeugnis,
Sabine Nuss: dem Wirtschaftspodcast der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Hallo Eva.
Eva Völpel: Hallo Sabine.
Sabine Nuss: Eva, die parlamentarische Sommerpause ist jetzt schon eine Weile vorbei und
Sabine Nuss: es geht weiter, man möchte sagen leider, mit der Frage, wo man noch überall
Sabine Nuss: beim Sozialen kürzen kann, also auch seitens der Bundesregierung.
Sabine Nuss: Wir werden in den nächsten Wochen davon vermehrt hören. Die Bundesregierung
Sabine Nuss: möchte nämlich eine ganze Reihe von Vorhaben durchs Parlament bringen,
Sabine Nuss: zum Beispiel die Gesetzesreform zur Kinder- und Jugendhilfe oder Eingliederungshilfe,
Sabine Nuss: die Rentenreform, kommen wir gleich darauf zu sprechen.
Sabine Nuss: Und gerade erst letzte Woche, wer diesen zeitlichen Ablauf verfolgt.
Sabine Nuss: Zum Beispiel, wir nehmen ja diese Folge heute am 5. Oktober auf und letzte Woche
Sabine Nuss: ist der Gesetzentwurf zur geplanten Pflegereform beschlossen worden.
Sabine Nuss: Wir wollen heute einerseits über diese Kürzung sehr allgemein erstmal nur sprechen,
Sabine Nuss: also nicht über alle Reformen, das wäre viel zu viel, aber allgemein und später
Sabine Nuss: dann gehen wir genauer auf die Rentenfrage ein, also auf die Rentenreform.
Sabine Nuss: Und übrigens, wer sich da ein kompletteres Bild machen will,
Sabine Nuss: Eva, du hast ja deinen berühmten Kettensägentext im September,
Sabine Nuss: wir hatten den Text hier schon mal vorgestellt, du hast ihn nochmal aktualisiert,
Sabine Nuss: nach den drei Landtagswahlen.
Sabine Nuss: Er heißt jetzt Sozialstaat, die Kettensäge bleibt angesetzt.
Sabine Nuss: Dieser Text, ich kann ihn nur empfehlen, ich habe ihn auch nochmal gelesen,
Sabine Nuss: die Aktualisierung, bringt einen wirklich super auf den Stand und er ist Teil
Sabine Nuss: eines Monatsdossiers der Rosa-Luxemburg-Stiftung mit dem Titel Kampf um den Sozialstaat.
Sabine Nuss: Schaut da gerne rein. Wir verlinken den natürlich auch wieder in den Shownotes.
Sabine Nuss: Lass uns aber jetzt erstmal beginnen mit einem kurzen Rückblick,
Sabine Nuss: Eva, auf die vergangenen Sozialproteste auch. Es ist ja nicht so,
Sabine Nuss: dass ich nicht langsam was regen würde angesichts dieser vielen Kürzungen.
Sabine Nuss: Zum Beispiel am 26. September. Warst du da auf der Straße?
Eva Völpel: Ich war auf der Straße. Das war ja der Tag, an dem die DGB-Gewerkschaften zu
Eva Völpel: Protesten aufgerufen hatten.
Eva Völpel: Und ich war in Berlin auf der Demonstration und fand die echt ganz gut.
Eva Völpel: Also es war eine sehr kämpferische Stunde. Die Sonne schien außerdem, das war auch ganz schön.
Eva Völpel: Und ja, es waren die Gewerkschaften draußen, Verdi hier aus dem Landesbezirk
Eva Völpel: war auch noch mit dem Bündnis 8.
Eva Völpel: März auf der Straße und es gab einen eigenen Blog unter dem Slogan,
Eva Völpel: es reicht für alle, dass das Bündnis, was sich jetzt rauskristallisiert hat hier für Berlin,
Eva Völpel: angestoßen damals von dem Aufruf der Linken, dass man Sozialproteste vorbereiten sollte.
Sabine Nuss: Wie viele sind denn da gewesen?
Eva Völpel: In Berlin waren wohl so rund 12.000 Leute auf der Straße.
Eva Völpel: Ich hätte gedacht, vielleicht auch ein paar mehr, aber so viel mehr sicherlich auch nicht.
Eva Völpel: In anderen Städten war sogar mehr los. Also in Nürnberg 25.000,
Eva Völpel: in Frankfurt 30.000 und insgesamt wohl so 175.000 Leute bundesweit in 15 Städten.
Sabine Nuss: Das ist doch schon mal was.
Eva Völpel: Es ist was und es ist.
Eva Völpel: Es gab ja wenige Tage vorher auch noch diese bundesweiten Protesttage der Beschäftigten
Eva Völpel: aus der Automobilindustrie.
Eva Völpel: Und da waren ja auch nochmal 175.000 auf der Straße.
Eva Völpel: Und ich finde, das zeigt, dass es jetzt eigentlich nochmal stärker darum gehen
Eva Völpel: müsste, diesen Brückenschlag hinzukriegen.
Eva Völpel: Also zwischen Protesten gegen die Sozialkürzung und den Protesten der Belegschaften
Eva Völpel: in der Automobilindustrie.
Sabine Nuss: Wo gerade jetzt auch so viel passiert, ne?
Eva Völpel: Genau. Und da vielleicht auch noch so ein kurzes Einsprengsel.
Eva Völpel: Die Rosa-Luxemburg-Stiftung hatte jetzt auch am 22.09. eine Veranstaltung im
Eva Völpel: Haus, auch zu den Sozialprotesten. Und da war unter anderem Hans-Jürgen Urban.
Eva Völpel: Der hat nämlich nochmal darauf aufmerksam gemacht, dass, wenn er so mit Belegschaften
Eva Völpel: diskutiert, die Leute irgendwie wirklich merken, es geht jetzt um sehr viel
Eva Völpel: und gleichzeitig die Frage aber von vielen so gestellt wird,
Eva Völpel: ja, was sind denn jetzt wirklich glaubwürdige Strategien?
Eva Völpel: Und Erzählungen in dieser tiefen, tiefen industriellen Transformationskrise.
Eva Völpel: Und dass es eigentlich wirklich nochmal sehr stark darum gehen muss,
Eva Völpel: da gute Antworten zu liefern.
Sabine Nuss: Dann machen wir mal eine Folge dazu und liefern die Antworten, oder Eva?
Eva Völpel: Ja, ob wir die Antworten liefern, wir liefern Ideen und Anregungen, genau.
Eva Völpel: Aber sozusagen zurück zur Demo, ich fand zwar auf jeden Fall ein guter Start,
Eva Völpel: aber es müsste natürlich jetzt nochmal weitergehen.
Eva Völpel: Also weil der Herbst wird kurz, die Regierung macht richtig Druck,
Eva Völpel: um die Sachen jetzt alle durchzubekommen.
Sabine Nuss: Ja, politisch ist es ja auch gerade total spannend, jetzt nach diesen drei Landtagswahlen
Sabine Nuss: in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Also zumindest jetzt auch
Sabine Nuss: nochmal, was die CDU betrifft. Die hat bei den Wahlen massive Verluste erlitten.
Sabine Nuss: In Mecklenburg-Vorpommern ist sie sogar zum ersten Mal in der Geschichte der
Sabine Nuss: Bundesrepublik aus dem Landesparlament geflogen.
Sabine Nuss: Jetzt könnte man meinen, die Bundesregierung, ja, also die CDU,
Sabine Nuss: die Regierende, bei denen setzt jetzt so ein bisschen so ein Nachdenken darüber
Sabine Nuss: ein, Ob das jetzt vielleicht so ein guter Kurs war, den sie dann in den letzten
Sabine Nuss: Monaten gefahren sind und mit ihren permanenten Beschimpfungen,
Sabine Nuss: von uns Bürgerinnen, dass wir zu faul sind und zu verwöhnt und so weiter,
Sabine Nuss: dass das vielleicht nicht so gut war.
Sabine Nuss: Zumal bei allen drei Urngängen, zumindest laut Nachwahlbefragung,
Sabine Nuss: das Thema soziale Sicherheit über alle Parteipräferenzen hinweg mit die größte Rolle gespielt hat.
Sabine Nuss: Und viele Menschen machen sich auch jenseits der Parteipräferenz Sorgen über
Sabine Nuss: die wirtschaftliche Lage, auch was die Lebenshaltungskosten angeht, Stichwort Inflation.
Sabine Nuss: Und da erinnere ich mich noch an den Wahlabend von Mecklenburg-Vorpommern und
Sabine Nuss: Berlin. Da saßen wir ja alle vor dem Fernseher und haben das verfolgt.
Sabine Nuss: Und da wurde ja dann plötzlich so angekündigt, dass jetzt der Kanzler eine Rede halten will.
Sabine Nuss: Nach den ersten 18 Uhr Prognosen. Da hat man also ein Statement von Bundeskanzler
Sabine Nuss: Merz angekündigt. Und da war ich schon relativ überrascht, weil ich dachte,
Sabine Nuss: warum jetzt? Das ist ja relativ unüblich.
Sabine Nuss: Auch die Jornies, hatte ich den Eindruck, waren relativ erstaunt.
Sabine Nuss: Und irgendwie habe ich gedacht, naja, wenn die jetzt wirklich mit so schlechten
Sabine Nuss: Wahlergebnissen rechnen, vielleicht kündigt der jetzt einen Rücktritt an.
Sabine Nuss: Also ich dachte, nee, das wird jetzt nicht passieren. Also es war so ein bisschen
Sabine Nuss: sehr spannungsgeladen. Und dann, nach den Wahlergebnissen, stellt sich Merz
Sabine Nuss: hin, sehr staatstragend und sagt, ja, wir machen weiter.
Sabine Nuss: Oder Eva? Und ich dachte, hä?
Sabine Nuss: Wie dafür hat er sich jetzt dahingestellt und dieses Boheil?
Eva Völpel: Nee, vor allem erstmal, ich mache weiter, Leute, damit das klar ist.
Eva Völpel: Deswegen stehe ich hier.
Sabine Nuss: Genau.
Eva Völpel: Und dann, genau, es geht weiter mit den Sozialkürzungen. Also da ist mir die
Eva Völpel: Kinnlade runtergeklappt, als er die Sozialkürzungen geadelt hat als ein Werkzeug
Eva Völpel: gegen den Aufstieg der Rechten.
Eva Völpel: Weil er hat gesagt, Zitat Merz, diese Reformen sind das Mittel gegen das autoritäre
Eva Völpel: Gift, das mit der Faszination des Autoritären immer tiefer in unsere Gesellschaft eindringt.
Eva Völpel: Und da habe ich wirklich gedacht, mein Schwein pfeift.
Eva Völpel: Das ist halt eine These, die ja auch komplett den Erkenntnissen der Forschung
Eva Völpel: widerspricht. Und wir haben ja auch wirklich ausführlich hier in zwei Podcasts
Eva Völpel: darüber gesprochen. Da könnt ihr gerne nochmal reinhören, Folge 19 und 20.
Sabine Nuss: Folge 19 und 20 waren das, ja genau. Und es gibt ja durchaus,
Sabine Nuss: weil du gerade sagst, entgegen jeder wissenschaftliche Erkenntnis oder auch
Sabine Nuss: soziologischen Debatten und sonst wie öffentlichen Debatten,
Sabine Nuss: gibt es ja Studien, die einen ganz eindeutigen Zusammenhang zwischen ökonomischen,
Sabine Nuss: Krisen, wirtschaftlicher Sorgen, Kürzungen im Staatshaushalt oder eben auf niedrigerer
Sabine Nuss: Ebene in Kommunen und dem Aufstieg der AfD oder dem Erstarken der Rechten zeigen.
Sabine Nuss: Wie auch immer jetzt genau dieser Zusammenhang erklärt werden kann,
Sabine Nuss: aber er ist definitiv da.
Sabine Nuss: Es ist natürlich jetzt bei der Wählerinschaft von der AfD immer noch Migration
Sabine Nuss: natürlich das zentrale Motiv, aber das kann man eben als Ressourcenkonkurrenz interpretieren.
Sabine Nuss: Also die Idee, dass die Leute dann denken, es ist kein Geld mehr da,
Sabine Nuss: wir müssen kürzen, Deutschland muss nach vorne kommen und dann können wir diese,
Sabine Nuss: in Anführungszeichen, Mitesser nicht mehr uns
Sabine Nuss: leisten, was ja auch auf die Bürgergeldempfängerinnen dann sich überträgt.
Sabine Nuss: Und man kann schon sagen, je stärker und je mehr sie da weitermachen bei diesem
Sabine Nuss: Sozialabbau und bei den Kürzungen, desto mehr werden diese Ressentiments getriggert.
Sabine Nuss: Jetzt ist natürlich die Frage, die Bundesregierung scheint mir dennoch nicht
Sabine Nuss: von ihrem Kurs abzuweichen, Eva.
Eva Völpel: Ja, im Moment sieht es noch nicht so aus. Es ist ein interessanter Moment auf
Eva Völpel: jeden Fall gewesen, dass nach der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern Manuela
Eva Völpel: Schwesig ja Aufwind hatte und immer noch hat.
Eva Völpel: Und die Gunst der Stunde ja auch genutzt hat, dann auch direkt durchaus mit
Eva Völpel: klaren Worten gegen Merz auszuteilen. und die Reformpolitik und auch so ein
Eva Völpel: bisschen ihren eigenen Parteivorsitzenden Bärbel Baas und Lars Klingbein einen
Eva Völpel: Tritt vor das Schienbein mitzugeben.
Eva Völpel: Weil ich meine, Schwesig hat ja in Meck-Pomm wirklich einen Wahlkampf gemacht,
Eva Völpel: der sich ganz klar abgegrenzt hat gegen die Sozialkürzung, vor allem bei der
Eva Völpel: Rente. Wobei man muss sagen, vor allem bei der Rente mit 63.
Eva Völpel: Da ist sie eben sehr strikt gegen gewesen und sie hat einfach ja irgendwie ein
Eva Völpel: verrückt gutes Ergebnis für die SPD geholt. 35,5 Prozent.
Eva Völpel: Zwar nicht die AfD noch überholt, wie es ja teilweise auch aussah.
Eva Völpel: Von daher ist da so ein bisschen natürlich Musik drin, aber es ist halt kein
Eva Völpel: Angriff aufs Ganze der Reformen.
Eva Völpel: Also es sind jetzt so Teile, die sich da rausgepickt werden und wir gucken auch
Eva Völpel: nachher nochmal genauer auf die Rente mit 63.
Eva Völpel: Und jetzt gerade, du hattest es ja erwähnt, ist der Gesetzentwurf zur Pflege
Eva Völpel: durchs Kabinett gegangen und da kann man schon mal festhalten,
Eva Völpel: hat die SPD nur minimale Änderungen durchgesetzt.
Sabine Nuss: Also das heißt, man muss immer gucken, bei all dem, was da an Widerspruch kommt,
Sabine Nuss: was setzt sich jetzt tatsächlich am Ende durch in der Koalition.
Sabine Nuss: Und in der Union gibt es mehrheitlich klar immer noch die Haltung,
Sabine Nuss: Reformen müssen jetzt kommen. Und zwar schleunigst.
Eva Völpel: Wobei zur Union ist schon interessant zu sehen, dass da jetzt so ein bisschen
Eva Völpel: Richtungskampf ausgebrochen ist oder zumindest stärker ausgebrochen.
Eva Völpel: Und es sind Stimmen lauter und pointierter geworden, die man jetzt vorher gar
Eva Völpel: nicht so gehört hat. Also der CDA, das ist ja der Arbeitnehmerflügel in der
Eva Völpel: Union, der hat ein Grundsatzpapier nach den Wahlen rausgebracht und das verlinken wir auch mal.
Eva Völpel: Und da kritisieren sie unter anderem ganz stark, dass die CDU...
Eva Völpel: Einfach nicht mehr die bisherigen drei Strömungen in der Partei,
Eva Völpel: also die christlich-soziale Strömung, die konservative und die liberale,
Eva Völpel: dass das nicht mehr in so einem Gleichgewicht vorhanden sei in der Partei.
Eva Völpel: Und da zeigt sich relativ deutlich jetzt doch auch so ein Unmut mit dem sogenannten
Eva Völpel: Wirtschaftsflügel der Union, der maßgeblich gerade den Kurs prägt.
Eva Völpel: Und der CDA sagt dazu zum Beispiel, Zitat, die CDU ist weder eine FDP-Leid noch
Eva Völpel: eine einzige konservative Partei.
Eva Völpel: Und an anderer Stelle mit Blick auf die Reformen gibt es auch relativ klare
Eva Völpel: Aussagen, nämlich, Zitat, wer Beschäftigte vor allem über Krankheitstage,
Eva Völpel: mangelnde Leistungsbereitschaft oder vermeintlich zu wenig Arbeit anspricht,
Eva Völpel: erreicht viele von ihnen nicht mehr.
Eva Völpel: Aussagen, die große Teile der Bevölkerung gegen die Politik aufbringen, helfen der CDU nicht.
Eva Völpel: Und die Süddeutsche hatte auch noch eine Person ausgegraben,
Eva Völpel: Elmar Broek, der war mal lange, lange im Europaparlament für die Union,
Eva Völpel: kennt die Partei auch total gut.
Eva Völpel: Und der hat es quasi nochmal schärfer gefasst.
Eva Völpel: Also der hat eigentlich gesagt, ja, die Leute des Wirtschaftsflügels,
Eva Völpel: die zerstören die Balance in der Union.
Eva Völpel: Und das geht also in die gleiche Richtung, wie der CDA das letztendlich kritisiert.
Eva Völpel: Und er meint damit ganz konkret den Parlamentskreis Mittelstand in der Unionsfraktion,
Eva Völpel: der eben für strengen Marktliberalismus und Haushaltsdisziplin steht.
Eva Völpel: Und dem, das fand ich dann auch schon wieder so schön,
Eva Völpel: Jemand vorsitzt, der heißt Christian Alexander Freiherr von Stetten.
Eva Völpel: Und wenn man sich jetzt mal kurz mit dem nur beschäftigt, dann denkt man auch
Eva Völpel: nur so, ja, ne, das passt mal wieder.
Eva Völpel: So laut politischen Beobachtern ist von Stetten halt einer der reichsten und
Eva Völpel: konservativsten Unionsabgeordneten im Parlament.
Eva Völpel: Und wie es sich für den Adel gehört, lebt er tatsächlich noch in einem Barockschloss
Eva Völpel: in Künzelsau in Baden-Württemberg, in deinem Heimatländle.
Sabine Nuss: Hör ich da etwas Sozialneid raus, Eve?
Eva Völpel: Nee, auf keinen Fall.
Sabine Nuss: Oh, würde ich jetzt glatt sagen.
Eva Völpel: Ja.
Sabine Nuss: Ich will auch in einem Barockschloss ruhen.
Eva Völpel: Scheiße. Nicht, nicht.
Sabine Nuss: Irgendwas habe ich falsch gemacht.
Eva Völpel: Aber nochmal zurück zu diesem Parlamentskreis Mittelstand.
Eva Völpel: Ja, also in der Süddeutschen wurde dann auch die Zahl genannt im Zusammenhang
Eva Völpel: mit diesem Gespräch mit Elmar Broek, dass mittlerweile schon 166 von 208 derzeitigen
Eva Völpel: Abgeordneten diesem Parlamentskreis Mittelstand angehören.
Eva Völpel: Und das fand ich eine eindrucksvolle Zahl, weil das nochmal so klar macht,
Eva Völpel: wie weit diese Landnahme des marktradikalen Flügels in der Union mittlerweile reicht.
Sabine Nuss: 166 von 208 ist schon ganz schön krass.
Eva Völpel: Vielleicht nochmal ein Zitat, Bruck sagte halt auch, Ordnungspolitik,
Eva Völpel: das sei für diese Leute, was den oberen Wirtschaftskreisen nutzt.
Eva Völpel: Für die ist es völlig in Ordnung, dass der kleine Mann das bezahlt.
Eva Völpel: Und das merken die Menschen.
Eva Völpel: Ich finde, das ist halt total offensichtlich, was er feststellt.
Eva Völpel: Die Leute sind halt nicht komplett blöd.
Eva Völpel: Und deswegen zieht er auch das Fazit, wenn wir in das rein wirtschaftsliberale
Eva Völpel: Lager gehen, dann zerstört es die CDU.
Eva Völpel: Und er sagt eben auch nochmal deutlich, die Union hat kein Kommunikations-,
Eva Völpel: sondern ein Gerechtigkeitsproblem.
Eva Völpel: Und jetzt will ich das auch alles nicht so hochloben, was da jetzt einzelne
Eva Völpel: Stimmen in der Union sagen.
Eva Völpel: Ich glaube, man darf sich da auch keine großen Illusionen machen.
Eva Völpel: Also diese Verengung der Union hin in dieses marktliberale Lager oder marktradikale
Eva Völpel: Lager, die ist ja schon eine ganze Weile fortgeschritten und die lässt sich
Eva Völpel: auch nicht so einfach zurückdrehen.
Eva Völpel: Aber es ist auf jeden Fall sehr interessant und einfach auch sehr wichtig,
Eva Völpel: dass diese Stimmen da sind und dass die eigentlich stärker werden müssten.
Sabine Nuss: Wobei das, was du gerade zitiert hast von dem Bruck, das ist ja generell darauf
Sabine Nuss: gemünzt, dass die CDU, einige haben jetzt auch wieder ein bisschen zurückgerudert,
Sabine Nuss: aber sie sagen ja immer, die Leute haben es nur noch nicht verstanden, was wir da machen.
Sabine Nuss: Wir müssen es ihnen nur besser erklären, die Reform. Dann ist alles gut.
Sabine Nuss: Darauf bezieht sich das, wir haben kein Kommunikationsproblem,
Sabine Nuss: sondern ein Gerechtigkeitsproblem.
Sabine Nuss: Vermutlich, oder?
Eva Völpel: Genau.
Sabine Nuss: Dass das der Hintergrund ist.
Eva Völpel: Das ist immer der Hintergrund, ja.
Sabine Nuss: Genau. Und ja.
Eva Völpel: Das ist auch was, was ich in der Debatte immer irgendwie erstaunlich finde.
Eva Völpel: Wenn du dir Umfragen anschaust, also Umfragen, die auch wirklich mal so richtig
Eva Völpel: in die Tiefe gehen und das Feld so richtig ausluten, Sozialkürzungen,
Eva Völpel: was sagen die Leute dazu? Da ist die Meinung total einhellig.
Eva Völpel: Es gibt eine Studie vom August, da kommt raus, 78 Prozent lehnen die Sozialkürzungen
Eva Völpel: ab und noch mehr machen sich Sorgen um ihre soziale Absicherung.
Eva Völpel: Wir verlinken das auch nochmal in den Shownotes.
Eva Völpel: Und das ist ja so ein typischer Mechanismus zu sagen, die Leute haben es nur
Eva Völpel: noch nicht verstanden und damit eigentlich ihnen einfach abzusprechen,
Eva Völpel: dass sie natürlich eine klare Meinung und Haltung schon dazu haben.
Eva Völpel: Also es wird so getan, als sei die halt nicht vorhanden.
Eva Völpel: Was ich auch immer wieder interessant finde, ist, dass es so eine Diskursebene
Eva Völpel: gibt oder so eine Narrativebene, wo dann auf diese Ebene der Handlungsfähigkeit,
Eva Völpel: vor allen Dingen abgezielt wird.
Eva Völpel: Ja, also dann wird gesagt, die Reformen müssen jetzt kommen,
Eva Völpel: die sind halt angekündigt und wir müssen jetzt den Leuten quasi demonstrieren,
Eva Völpel: dass wir das können, dass wir es durchziehen, dass wir handlungsfähig sind.
Eva Völpel: Und deswegen dürfen wir das jetzt nicht im Kleinen Kleins reden,
Eva Völpel: als ob das halt schon der Wert an sich ist.
Sabine Nuss: Dass man überhaupt handelt.
Eva Völpel: Dass man überhaupt handelt, da wird gar nicht mehr über Inhalte gesprochen.
Sabine Nuss: Ja, voll. Was wir jetzt aber tun, wir gehen jetzt nämlich tatsächlich auf die Rentenreform ein.
Sabine Nuss: Und zwar, wir hatten es ja schon
Sabine Nuss: gesagt, dass in der gesetzlichen Rentenversicherung Kürzungen anstehen.
Sabine Nuss: Allerdings, wie ja eigentlich bei allen möglichen Reformkürzungen einhergehen
Sabine Nuss: mit den Reformen, allerdings gibt es jetzt bei der Rentenversicherung eine Besonderheit,
Sabine Nuss: die auch umstritten ist in der öffentlichen Debatte,
Sabine Nuss: und die tatsächlich, was das deutsche Rentenversicherungssystem angeht,
Sabine Nuss: eine richtige Zäsur ist.
Sabine Nuss: Und zwar, ich sage es nur ganz kurz vorweg, wir gehen dann näher darauf ein,
Sabine Nuss: ein Teil der Beiträge, die in die Rente eingezahlt werden künftig,
Sabine Nuss: Die, so will es die Regierung, sollen jetzt an der Börse angelegt werden.
Sabine Nuss: Das heißt, die Logik der Finanzmärkte soll in Teilen Einzug halten,
Sabine Nuss: direkt in die gesetzliche Rentenversicherung.
Sabine Nuss: Vielleicht nochmal ganz grundsätzlich für das, wie die Rentenversicherung prinzipiell
Sabine Nuss: funktioniert, weil ja immer von Umlage und von Kapitaldeckung die Rede ist.
Sabine Nuss: Vielleicht hören wir das nochmal ganz kurz.
Sabine Nuss: Die Rente, Eva, ist ja eine Pflichtversicherung. Das heißt, alle,
Sabine Nuss: die festangestellt sind, zahlen ein, oder?
Eva Völpel: Alle, die festangestellt sind, sozialversicherungspflichtig festangestellt sind, zahlen ein.
Eva Völpel: Es gibt daneben dann die Beamtenpensionen, die getrennt organisiert werden.
Eva Völpel: Und es gibt bestimmte Berufe, die haben eigene berufsständische Versorgungswerke.
Eva Völpel: Also zum Beispiel Ärzte, Apotheker, Anwälte, Notare.
Sabine Nuss: Und nicht einbezahlen tun die Selbstständigen?
Eva Völpel: Noch nicht, außer sie tun es freiwillig.
Sabine Nuss: Und die Care-ArbeiterInnen, also die, die zu Hause die Kinder großziehen,
Sabine Nuss: die zahlen auch nicht ein.
Eva Völpel: Nee, die können ja auch nichts einzahlen.
Sabine Nuss: Genau, also alle die, die kein festes sozialversicherungspflichtiges Einkommen
Sabine Nuss: haben, bezahlen nicht ein.
Eva Völpel: Ja gut, es werden Beiträge abgeführt auch für Leute, die arbeitslos sind und
Eva Völpel: so weiter. Da fließt ja auch was in die Rentenkasse.
Sabine Nuss: Aber die, die einbezahlen, die müssen auch. Deshalb Pflichtversicherung.
Sabine Nuss: Und das, was sie einbezahlen, kommt in einen Topf und aus diesem Topf bekommen
Sabine Nuss: die Rentnerinnen und Rentner, die heute leben, ihre Rente ausbezahlt. Das ist die Umlage.
Eva Völpel: Genau.
Sabine Nuss: Okay, super. Also das wird quasi jetzt bezahlt und wird jetzt ausbezahlt in
Sabine Nuss: der Gegenwart. Und im Vergleich dazu die Kapitaldeckung, man sagt auch Aktienrente dazu.
Eva Völpel: Jetzt in diesem Fall ist das immer so das Schlagwort.
Sabine Nuss: Genau. Das bedeutet, dass die Beiträge, die ich als sozialversicherungspflichtig angestellte Person,
Sabine Nuss: einbezahle, nicht mehr in den Topf geht, der dann an die Rentnerin ausbezahlt
Sabine Nuss: wird, sondern der wird angelegt an den Finanzmärkten.
Sabine Nuss: Und dann kriege ich irgendwann, ich individuell ...
Sabine Nuss: Dass aus diesem Fonds, aus diesem Rentenfonds, sage ich jetzt mal, meine Rente bezahlt.
Eva Völpel: Also später in der Zukunft. Genau, also nicht deine komplette Rente.
Eva Völpel: Jetzt in diesem Fall, wie die Pläne jetzt sind, ist es ja nur ein Teil,
Eva Völpel: der dann kapitalmarktgedeckt sozusagen erwirtschaftet werden soll.
Sabine Nuss: Genau. Aber mir ging es so darum, dass bei Umlage eben die Gegenwart,
Sabine Nuss: also ich zahle jetzt ein und es wird jetzt ausbezahlt.
Eva Völpel: An die anderen Rentnerinnen.
Sabine Nuss: Genau, an die anderen. Und bei der Kapitaldeckung ist es, Ich zahle jetzt ein
Sabine Nuss: und kriege es später zurück und es geht nichts an die jetzt lebenden Rentnerinnen.
Eva Völpel: Das eine funktioniert rein individuell, das andere ist sozusagen die solidarische
Eva Völpel: Umlage, man sagt auch solidarischer Generationenvertrag.
Sabine Nuss: Okay, super. Das wollte ich nur nochmal vorher erklären, damit alle folgen können
Sabine Nuss: bei dem, was dann jetzt kommt. Weil das alles genau darauf zurückgeht,
Sabine Nuss: dass man diese Basics verstanden hat.
Sabine Nuss: Und bevor wir in diese weitere Erklärung kommen, muss man nochmal,
Sabine Nuss: finde ich, ganz wichtig dazu sagen,
Sabine Nuss: warum wird eigentlich so eine massive Weichenstellung jetzt vorgenommen?
Sabine Nuss: Weil das ist wirklich ein krasser Eingriff in die Rentenversicherung.
Sabine Nuss: Und warum das jetzt gemacht wird oder für nötig befunden wird,
Sabine Nuss: liegt daran, dass es immer heißt, Achtung Eva, jetzt verkürze ich wieder.
Sabine Nuss: Es ist im Moment so, dass immer mehr Menschen in Rente gehen.
Sabine Nuss: Das nennt man dann die geburtenstarken Jahrgänge.
Sabine Nuss: Und demgegenüber stehen immer weniger Beschäftigte, die einbezahlen.
Sabine Nuss: Das ist ja eigentlich eine total einleuchtende Rechnung. Immer weniger zahlen
Sabine Nuss: ein, immer mehr brauchen aber Geld aus dieser Kasse.
Sabine Nuss: Deshalb muss der Bund was dazu schießen und das geht jetzt eben nicht mehr.
Sabine Nuss: Das wird irgendwann dazu führen, dass die Kasse kollabiert. Habe ich das jetzt richtig reduziert?
Sabine Nuss: So wird es immer dargestellt. Genau, das ist natürlich wichtig zu sagen.
Sabine Nuss: So wird es dargestellt und da wird immer dieses Wort Demografiefalle oder wie
Sabine Nuss: heißt es benannt? Demografie, Demos, das Volk und Graphie beschreiben.
Sabine Nuss: Also man beschreibt quasi den Stand der Bevölkerung.
Sabine Nuss: Also wir hätten ein Demografieproblem. Und das ist die geltende Begründung, Eva.
Eva Völpel: Das ist die geltende Begründung.
Sabine Nuss: Und du sagst uns, warum das nicht stimmt jetzt.
Eva Völpel: Ja, lass uns dazu doch mal ein Gedankenexperiment machen, was die Demografiepäpste immer so sagen.
Eva Völpel: Wir haben in den 60er Jahren die Situation gehabt, dass rund sechs Beschäftigte
Eva Völpel: einen Rentner finanziert haben oder eine Rentnerin.
Eva Völpel: Und jetzt sind es im Moment so knapp um die zwei Beschäftigte,
Eva Völpel: die einen Rentner oder eine Rentnerin finanzieren.
Sabine Nuss: Okay.
Eva Völpel: Das ist ja schon mal ein ganz schön krasser Unterschied. Und wenn man jetzt
Eva Völpel: dieser Logik der Demografie-Päpste folgt, die sagen, das ist die Mathematik
Eva Völpel: und nur das zählt, deswegen müssen wir jetzt irgendwie Renten kürzen,
Eva Völpel: dann müsste es ja schon so sein, dass man in der Rentenkasse schon jetzt über
Eva Völpel: die ganze Zeit hätte sehen müssen, die geht total in die Knie,
Eva Völpel: weil das hat sich ja alles schon vollzogen.
Eva Völpel: Und das kannst du eigentlich an zwei, drei wichtigen finanziellen Stellschrauben
Eva Völpel: in der Kasse sehen, ob das der Fall ist oder nicht.
Eva Völpel: Einmal sind es die Beitragssätze. Also geht die Rentenkasse in die Knie,
Eva Völpel: ist eigentlich eine Stellschraube, musst du halt höhere Beiträge einnehmen und von den Leuten nehmen.
Sabine Nuss: Logisch eigentlich.
Eva Völpel: Eigentlich logisch, aber wenn du jetzt auf die Entwicklung guckst,
Eva Völpel: ist es so, dass die Beitragssätze seit 2010 sogar gesunken sind und nicht gestiegen.
Eva Völpel: Das heißt, wir haben eine Entwicklung, wo die Leute gerade mit 18,6 Prozent
Eva Völpel: Rentenbeitrag weniger zahlen als sogar vor 36 Jahren.
Eva Völpel: Also das ist mal so ein bisschen hochgegangen, dann hat sich sie da abgeflacht
Eva Völpel: und jetzt sind wir halt bei 18,6 Prozent.
Eva Völpel: Ein zweites wichtiges Element, um zu verstehen, wie es der Rentenkasse geht,
Eva Völpel: ist der Bundeszuschuss, der an die Kasse fließt.
Eva Völpel: Und auch da hat man ja das Gefühl, es ist eigentlich so diese herrschende Leser,
Eva Völpel: oh mein Gott, der explodiert und es wird alles immer schlimmer,
Eva Völpel: weil die Rente wird immer teurer.
Eva Völpel: Deswegen müssen wir da kürzen und das ist halt auch nicht der Fall.
Eva Völpel: Also wenn du dir anguckst, wie sich in den vergangenen 20 Jahren der Anteil
Eva Völpel: der Bundesmittel entwickelt hat, der vom Bundeshaushalt an die Rentenkasse fließt,
Eva Völpel: dann ist der nicht gestiegen, sondern gefallen. Und zwar deutlich.
Eva Völpel: Von 31 Prozent auf rund 25 Prozent heutzutage.
Sabine Nuss: Wie kann das sein?
Eva Völpel: Ja, es kommt noch besser. Warte, dann löse ich auf. Kommt mit auf meine Reise.
Sabine Nuss: Richtiges Gedankenexperiment.
Eva Völpel: Und dann gibt es noch eine wichtige Zahl, dass du dir anguckst,
Eva Völpel: wie die gesamten Ausgaben, die für die gesetzliche Rentenkasse rausgehen,
Eva Völpel: wie die sich verhalten zur Wirtschaftsleistung.
Eva Völpel: Und da ist es so, dass auch da in den vergangenen 20 Jahren die Ausgaben der
Eva Völpel: Kasse gemessen am BIP, also am Bruttoinlandsprodukt, zurückgegangen sind.
Eva Völpel: Von 10,4 Prozent auf 9,4 Prozent des BIP zwischen 2004 und 2024.
Eva Völpel: So, und jetzt stellt man also verwundert fest, aha, eigentlich müsste die Rentenkasse
Eva Völpel: schon längst am Boden liegen und unsere Beiträge deswegen schon lange gestiegen
Eva Völpel: und noch viel mehr Bundesmittel reingeflossen seien und das ist halt nicht der Fall.
Eva Völpel: Und daran sieht man schon mal, dass dieses Demografie-Argument nicht weit trägt.
Eva Völpel: Also natürlich spielt Demografie eine Rolle im Rentensystem,
Eva Völpel: aber was halt viel mehr eine Rolle spielt, ist die Frage, wie sich die Produktivität entwickelt.
Eva Völpel: Also, wenn ich eine Gesellschaft habe, in der es jetzt ein bisschen idealtypisch,
Eva Völpel: wenn ich jetzt eine Wirtschaft habe, der Laden läuft.
Eva Völpel: Das heißt, ich habe keine Wirtschaftskrise, es wird gut produziert,
Eva Völpel: es existiert Nachfrage, die Unternehmen investieren, es wird mehr produziert.
Eva Völpel: Der typische Kreislauf.
Sabine Nuss: Kapitalistisches Bullerbü.
Eva Völpel: Kapitalistisches Bullerbü plus sozusagen natürlich technologischer Fortschritt,
Eva Völpel: alles was so eingeht, Rationalisierung, Pipapo, dann habe ich Produktivitätsfortschritte.
Eva Völpel: Und diese Produktivitätsfortschritte machen, dass natürlich auch die Löhne steigen.
Eva Völpel: Und dadurch, dass die Löhne steigen und die Lohnsumme auch größer wird,
Eva Völpel: die kann auch größer werden durch mehr Zuwanderung natürlich im Land oder dadurch,
Eva Völpel: dass mehr Frauen arbeiten gehen. Aber entscheidend ist die Produktivitätsfrage.
Eva Völpel: Wenn das steigt und die Löhne dann auch steigen im Idealfall,
Eva Völpel: dann bedeutet das, dass eben die Rentenkasse besser finanziert wird,
Eva Völpel: weil die Rentenkasse finanziert sich ja aus den Beiträgen, die aus den Löhnen abgeführt werden.
Sabine Nuss: Prozentual, ne?
Eva Völpel: Prozentual, genau. Die wirklich wichtige Grundlage der Finanzierung der gesetzlichen Rentenkasse.
Sabine Nuss: Und wie war das dann tatsächlich? Also offensichtlich geht es dann ganz stark
Sabine Nuss: darum, ob Löhne tatsächlich erhöht werden oder nicht in dieser ganzen Rentendebatte.
Sabine Nuss: Weil, wie viel Prozent ist gerade der Rentenbeitrag?
Eva Völpel: 18,6.
Sabine Nuss: 18,6 von 100 Euro im Monat oder 18,6 von 1000 Euro im Monat ist ja ein Riesenunterschied. Ja.
Eva Völpel: Genau, das Entscheidende ist also die Produktivitätsentwicklung,
Eva Völpel: aber nicht alleine, sondern dazu kommt die entscheidende Frage,
Eva Völpel: wie wird das Erarbeitete verteilt?
Eva Völpel: Also wie viel von dem Fortschritt, sage ich jetzt mal salopp formuliert,
Eva Völpel: wird tatsächlich in die Löhne gespült über Lohnerhöhungen? Wie hoch sind diese
Eva Völpel: Lohnerhöhungen oder sind die nur total niedrig?
Eva Völpel: Und damit natürlich auch niedriger für die Rentenkasse.
Eva Völpel: Und wenn man sich jetzt die Zahlen anguckt, dann wird es auch sehr klar,
Eva Völpel: was da passiert ist. Also wir haben eben einen massiven Verteilungskonflikt
Eva Völpel: zwischen Kapital und Arbeit.
Eva Völpel: Und dadurch, dass die Renten an die Löhne gekoppelt sind, zumindest grundsätzlich,
Eva Völpel: sehen wir eben, wie das durchschlägt, dieser Konflikt.
Eva Völpel: Nämlich bis Anfang der 1980er Jahre kann man feststellen, dass die Löhne und
Eva Völpel: Renten quasi parallel zu der Pro-Kopf-Produktion wuchsen.
Eva Völpel: Da wurde sozusagen, dass die Produktivitätssteigerungen wurden mehr oder weniger
Eva Völpel: weitergereicht an die Löhne.
Eva Völpel: Flossen mit in die Löhne, damit natürlich auch in die Rente entsprechend.
Eva Völpel: Und dann griffen aber nach und nach die Auswirkungen der neoliberal geprägten
Eva Völpel: Globalisierung über einen langen Zeitraum.
Eva Völpel: Und es gab immer wieder so sehr beschleunigende Effekte, Nämlich zum Beispiel
Eva Völpel: die ganzen neoliberalen Arbeitsmarkt- und Rentenreformen, Stichwort Hartz IV,
Eva Völpel: ab Anfang der 2000er Jahre unter Rot-Grün.
Eva Völpel: Und das hat dazu geführt, so in der Gesamtshow, dass wir eben eine Entkopplung
Eva Völpel: zwischen der Pro-Kopf-Produktion und den Löhnen haben.
Eva Völpel: Und das bedeutet letztendlich, dass die Löhne und Renten nicht mehr im gleichen
Eva Völpel: Maße gestiegen sind wie das Wirtschaftswachstum.
Eva Völpel: Das heißt, der Kuchen an sich, der ist größer geworden, aber er wird mittlerweile
Eva Völpel: ganz anders verteilt, weil ein viel größerer Anteil dessen, was die Beschäftigten
Eva Völpel: erarbeiten, über die Profite an die Vermögenden in diesem Land abfließt.
Eva Völpel: Und das ist sozusagen der entscheidende Zusammenhang.
Sabine Nuss: Das heißt, wir müssen bei der Rentenfrage auch vor allem auf die Verteilungsfrage
Sabine Nuss: zwischen Kapital und Arbeit schauen. Das heißt, auf die Verteilung zwischen den,
Sabine Nuss: Die die Verfügungsgewalt haben über Betriebe und Produktionsmittel und denen,
Sabine Nuss: die in diesen Betrieben arbeiten müssen und die den Reichtum eigentlich erarbeiten.
Sabine Nuss: Dazu hatten wir übrigens auch schon mal eine Folge zum Thema Rente und zwar
Sabine Nuss: ganz am Anfang, Eva, Nummer 5. Da könnt ihr auch nochmal gerne reinhören.
Eva Völpel: Und ich möchte an der Stelle auch nochmal eine Empfehlung aussprechen.
Eva Völpel: In der Rosa-Luxemburg-Stiftung ist nämlich gerade ein neues sogenanntes Argumenteheft rausgekommen.
Eva Völpel: Argumenteheft, das sind immer so sehr schöne Formate, wie ich finde.
Eva Völpel: Die sind klein und handlich und sehr gut verständlich und die arbeiten sich
Eva Völpel: immer an bestimmten Mythen ab.
Eva Völpel: Und da ist gerade ein Argumenteheft erschienen mit dem Titel,
Eva Völpel: wir müssen alle mehr und länger arbeiten, Mythen und Fakten zur Rentenpolitik.
Eva Völpel: Ihr könnt es kostenlos bei der Stiftung bestellen und auch gerne in größerer
Eva Völpel: Stück zahlen und weiter verteilen.
Sabine Nuss: Ja, da wird es ja dann auch nochmal deutlich herausgearbeitet,
Sabine Nuss: diesen Zusammenhang, den wir jetzt gerade am Wickel hatten.
Sabine Nuss: Und ich muss nochmal sagen, ich habe in den letzten Wochen und Monaten,
Sabine Nuss: weil ich mit diesem Rententhema mich auch nicht so besonders gut auskenne und
Sabine Nuss: auch fremdle, aber ich habe trotzdem so ein paar Debatten, Talkshows,
Sabine Nuss: zuletzt Deutschlandfunk Kultur gab es eine Streitrunde zu dem Thema.
Sabine Nuss: Und was ich echt total krass finde, es wird immer nur auf diese Demografiefrage
Sabine Nuss: geguckt. Wirklich, es ist echt krass. Es wird immer gemacht,
Sabine Nuss: als wäre es ein Generationenkonflikt.
Sabine Nuss: Da werden dann die Jungen gegen die Alten aufgehetzt. Und dass es eigentlich
Sabine Nuss: um die Verteilungsfrage geht zwischen oben und unten, also auch hier wieder,
Sabine Nuss: das wird komplett ausgeblendet. Das ist wirklich krass.
Sabine Nuss: Naja und vor dieser Gemengelage, wenn man das also immer so ein bisschen so
Sabine Nuss: erzählt, das ist ein Generationenkonflikt, wir können das nicht mehr bezahlen
Sabine Nuss: und eben den eigentlichen, ich sage jetzt mal die Klassenfrage ausblendet, ja,
Sabine Nuss: das ist so die Konstellation, vor der jetzt auch die Bundesregierung diese Rentenreform
Sabine Nuss: in Form eines Berichts vorgelegt hat mit 33 Vorschlägen.
Sabine Nuss: Und der Bericht wurde erarbeitet von einer sogenannten Alterssicherungskommission,
Sabine Nuss: und wie gesagt mit 33 Vorschlägen, von denen es auch immer heißt,
Sabine Nuss: die müssen alle zusammen irgendwie durchgesetzt werden, umgesetzt werden.
Sabine Nuss: Und bei der Übergabe dieses Berichts an Merz hat er gesagt, alle Elemente,
Sabine Nuss: wie gesagt, dieses Reformpakets, ich betone alle Elemente dieses Reformpakets
Sabine Nuss: müssen jetzt zügig umgesetzt werden.
Sabine Nuss: Und die Bundesarbeitsministerin Bärbel Baß von der SPD, die sagte,
Sabine Nuss: diese Vorschläge seien ein Gesamtkunstwerk und Zitat, wenn wir diese Reform
Sabine Nuss: machen, so wie sie jetzt auch vorliegt, dann wird es für alle besser.
Sabine Nuss: So Eva, was willst du denn da sagen? Eine SPD-Frau sagt uns,
Sabine Nuss: nach dieser Reform wird alles besser. Was kannst du da jetzt dagegen haben?
Eva Völpel: Was meinst du? Tja, es sieht leider alles nicht so schön aus,
Eva Völpel: wie es da beschrieben wird, kann man sagen.
Eva Völpel: Also der, wie ich finde und nicht nur ich, sondern auch andere WissenschaftlerInnen
Eva Völpel: wichtigste Vorschlag dieser Alterssicherungskommission ist eben der,
Eva Völpel: den du ja auch schon erwähnt hast,
Eva Völpel: nämlich dass jetzt ins System der gesetzlichen Rentenversicherung eingegriffen werden soll.
Eva Völpel: Also das Umlagesystem, wie wir es haben, das soll quasi geöffnet werden und
Eva Völpel: da soll so ein kapitalmarktgedeckter Baustein rein. Stichwort Aktienrente. Du hattest es erwähnt.
Eva Völpel: Und du hattest auch schon gesagt, um das einzuführen, sollen Arbeitgeber und
Eva Völpel: Beschäftigte künftig eben paritätisch finanziert insgesamt zwei Prozent mehr
Eva Völpel: an Rentenbeiträgen abführen.
Eva Völpel: Die werden an Finanzmärkten angelegt und dann soll die tolle Rendite daraus
Eva Völpel: das künftig sinkende Rentenniveau abpuffern.
Eva Völpel: Das heißt, wir haben hier zwei Sachen, die gehören unweigerlich zusammen.
Eva Völpel: Wir haben auf der einen Seite Kürzungen und auf der anderen Seite zur Legitimierung
Eva Völpel: dieser Kürzungen eben diese Einführung der Aktienrente, wo dann eben das Heilsversprechen
Eva Völpel: gegeben wird, dass diese Aktienrente dann eben diese Kürzungen auffangen soll.
Eva Völpel: Und gekürzt werden soll wirklich einiges. Das würde ich jetzt nur mal so ganz
Eva Völpel: kurz aufzählen, damit ihr einen Eindruck davon bekommt.
Eva Völpel: Es ist zum Beispiel so, der sogenannte Nachhaltigkeitsfaktor,
Eva Völpel: schreckliches Wort, aber eingeführt auch unter diesen rot-grünen neoliberalen
Eva Völpel: Reformen, der soll ab 2031 zu verschärften Konditionen wieder eingesetzt werden.
Eva Völpel: Und was man dazu vor allen Dingen wissen muss, ist, das bedeutet,
Eva Völpel: dass der Anstieg der Renten für Alt und Jung deutlich gedämpft wird,
Eva Völpel: indem die Renten halt nicht mehr so stark steigen sollen wie die Löhne.
Eva Völpel: Das ist also eine Bremse, die man da einzieht.
Eva Völpel: Dann ist es so, das Renteneintrittsalter soll grundsätzlich an die Lebenserwartung
Eva Völpel: gekoppelt werden und zwischen 2031 und 2042 schrittweise auf 67,5 Jahre ansteigen.
Eva Völpel: Es ist, glaube ich, nochmal eine Erinnerung wert, dass wir erst vor 20 Jahren,
Eva Völpel: und das ist in der Rentenpolitik kein langer Zeitraum, überhaupt schon mal eine
Eva Völpel: Reform hatten, nämlich die Rente mit 67, der beschlossen wurde.
Eva Völpel: Und die ist längst noch nicht komplett eingeführt. Und jetzt bekommen wir sozusagen,
Eva Völpel: die nächste Erhöhung des Renteneintrittsalters.
Sabine Nuss: Also ich muss mit 67 in Rente gehen. Das heißt, wenn jetzt was verändert wird,
Sabine Nuss: bleibt es bei mir aber dabei.
Eva Völpel: Nee, du wirst mit 67,5 in Rente gehen.
Sabine Nuss: Frechheit.
Eva Völpel: Weil du gehst, weiß ich nicht genau, wann du gehst, aber...
Sabine Nuss: Es geht niemandem was an.
Eva Völpel: Okay. Dann decken wir den Mantel des Schweigens darüber. Bitte.
Eva Völpel: Vielleicht kommst du nicht ganz auf die 67,5 Jahre, aber du wirst über 67 Jahre kommen. Ja. Oh fuck.
Sabine Nuss: Scheiße.
Eva Völpel: Und was auch noch abgeschafft werden soll, ist diese sogenannte abschlagsfreie
Eva Völpel: Rente für besonders langjährig Versicherte.
Eva Völpel: Das ist diese sogenannte Rente mit 63, also für Menschen, die 45 Versicherungsjahre
Eva Völpel: in der gesetzlichen Rentenversicherung nachweisen können.
Eva Völpel: Wobei man sagen muss, Rente mit 63, das ist eigentlich ein bisschen irreführend, der Begriff.
Eva Völpel: Das gilt so klar eigentlich nur für Leute, die vor 1953 geboren sind und für
Eva Völpel: alle Jahrgänge danach ist es auch verkoppelt mit dem allgemeinen Renteneintrittsalter.
Eva Völpel: Und wenn das steigt, steigt sozusagen auch das Eintrittsalter für die Rente mit 63.
Eva Völpel: Und wir haben gerade faktisch eine Rente mit 64,4 Jahren.
Eva Völpel: Aber diese Möglichkeit, so ein bisschen früher zu gehen, die soll halt auch
Eva Völpel: komplett abgeschafft werden und da soll es dann vielleicht, um das so ein bisschen
Eva Völpel: aufzufangen, so individuelle Gesundheitsprüfungen geben.
Eva Völpel: Aber das ist wahnsinnig aufwendig und kompliziert, wenn du sowas individualisiert machst.
Eva Völpel: Auch noch eingeschränkt werden soll die Möglichkeit einer abschlagsfreien Altersteilzeit.
Eva Völpel: Das soll nämlich nach hinten geschoben werden.
Eva Völpel: Also abschlagsfrei ist halt immer das Entscheidende. Gehst du früher in Rente
Eva Völpel: und musst keine Einbußen hinnehmen.
Eva Völpel: Und auch in der Altersteilzeit soll das jetzt erst später möglich sein,
Eva Völpel: nämlich mit 58 Jahren statt 55 Jahren und die Chance, Altersteilzeit im Block
Eva Völpel: zu nehmen, was ich zum Beispiel noch von meinem Vater kannte, der das gemacht hat.
Eva Völpel: Der ist dann irgendwann aus dem Beruf ausgestiegen, war aber quasi noch wie
Eva Völpel: beschäftigt, aber hat gar nicht mehr gearbeitet in einer langen Phase am Ende seines Berufslebens.
Eva Völpel: Und das im Block zu nehmen, soll auch abgeschafft werden. Und das ist auch sehr
Eva Völpel: verrückt in diesen Zeiten, weil das ja jetzt genau
Eva Völpel: so ein Ventil wäre in dieser industriellen Transformationskrise,
Eva Völpel: ältere Belegschaften in Automobilwerken ohne Abschläge in die Rente gehen zu lassen,
Eva Völpel: oder in die Altersteilzeit im Block.
Eva Völpel: Also das ist von der Seite her auch schon irgendwie total verrückt, wenn das jetzt kommt.
Eva Völpel: Genau, das sind sozusagen die Kürzungen und die sollen angeblich aber alle vom
Eva Völpel: Rentenniveau her aufgefangen werden durch diese wunderbare Aktienrente.
Sabine Nuss: Aber wenn ich dich da richtig verstehe oder wenn ich mir das jetzt mit der Aktienrente
Sabine Nuss: angucke, wenn ich da jetzt ab nächstes Jahr schon rumgesponnen wird,
Sabine Nuss: das eingeführt, einbezahle, das dauert doch ein paar Jahre, bis da wirklich
Sabine Nuss: ein Gewinn angesammelt ist. Das wirkt sich doch nicht sofort aus.
Eva Völpel: Das wird nach und nach aufgebaut und es ist auch so, dass der Report der Alterssicherungskommission
Eva Völpel: oder diese Empfehlungen, dass die vorsehen, dass man,
Eva Völpel: in dem langen Zeitraum, wo das erstmal aufgebaut werden muss,
Eva Völpel: für die Übergangsjahrgänge, die dann schon in Rente gehen, staatlicherseits
Eva Völpel: die Erträge noch aufstocken müsste.
Sabine Nuss: Okay, und warum hast du jetzt immer von 2031, warum ist das Jahr so für die
Sabine Nuss: Maßnahmen jetzt so eine wichtige Rolle?
Eva Völpel: Ach so, weil wir im Moment eine Situation haben, wo das sogenannte Rentenniveau,
Eva Völpel: von dem ist ja viel die Rede, das wird zumindest bis 2031 gerade bei 48 Prozent stabilisiert.
Eva Völpel: Das darf bis dahin nicht darunter fallen. Das ist diese sogenannte Haltelinie.
Eva Völpel: Aber nach 2031 greift es eben nicht mehr.
Sabine Nuss: Das heißt, dann sinkt das Rentenniveau ohne diese Stabilisierung automatisch?
Eva Völpel: Dann wäre das automatisch jetzt gesunken.
Sabine Nuss: Okay. Und das Rentenniveau von 48 Prozent bedeutet aber nicht,
Sabine Nuss: dass ich 48 Prozent meines letzten Brutto- oder Nettolohns als Rente kriege?
Sabine Nuss: Oder ist das nicht so? Das bedeutet nochmal was anderes, diese Zahl.
Eva Völpel: Nee, genau. Das ist ein, ja, eine...
Eva Völpel: Mathematische Zahl, die sagt was aus über einen sogenannten Standardrentner,
Eva Völpel: der sozusagen so eine Eckrente bekommt und die ist aber
Eva Völpel: danach bemessen, wenn du 45 Jahre Vollzeit gearbeitet hast
Eva Völpel: und 45 Jahre ununterbrochen immer den Durchschnittsverdienst bekommen hast.
Eva Völpel: Also wer das geschafft hat, der würde dann eben 48 Prozent des Durchschnittsverdienstes,
Eva Völpel: den wir heute haben, als Rente bekommen. Da sind Sozialbeiträge schon abgezogen, steuern aber nicht.
Eva Völpel: Das heißt, das ist ein Wert, mit dem man eigentlich als Normalbeschäftigte überhaupt
Eva Völpel: nicht arbeiten kann, weil man unterbrochene Erwerbsbiografien hat,
Eva Völpel: weil man nicht die ganze Zeit Vollzeit arbeitet, weil man vielleicht auch nicht
Eva Völpel: den Durchschnittsverdienst bekommt.
Sabine Nuss: Okay, gut. Also es trifft jetzt nicht auf so ganz viele Menschen zu, dieses Idealmodell.
Sabine Nuss: Aber jetzt mal nochmal zurück auf diese Aktienrente, die jetzt in der gesetzlichen
Sabine Nuss: Rentenkasse eine weitere Säule bilden soll oder neben der gesetzlichen eben die zweite.
Sabine Nuss: Du hast es ja schon gesagt, am Anfang hast du sowas mal erwähnt wie Heilsversprechen,
Sabine Nuss: da lese ich auch so eine kleine Kritik heraus von dir an dem Plan der Aktienrente,
Sabine Nuss: aber in der Bild-Zeitung stand,
Sabine Nuss: Ende Juni die Bild, die Überschrift Kapitalrente bringt 770 Euro extra im Monat,
Sabine Nuss: würde ich mal sagen, cool.
Sabine Nuss: Einfach mal so 770 Euro im Monat, nur dadurch, dass ich es irgendwo angelegt habe.
Sabine Nuss: Wenn das so toll laufen kann, wieso hat man das nicht längst gemacht?
Sabine Nuss: Ja, also scheint ja so zu sein, dass die Finanzmärkte eine Gelddruckmaschine sind für uns alle.
Sabine Nuss: Und März, der Bundeskanzler, hat ja schon in eine ähnliche Richtung auf der
Sabine Nuss: Pressekonferenz zur Vorstellung des Berichts dieser Alterssicherungskommission
Sabine Nuss: gesagt, sagt, die neue gesetzliche Kapitalrente
Sabine Nuss: werde zu einem steigenden Versorgungsniveau bei sinkenden Beiträgen führen. Abracadabra.
Sabine Nuss: Und nun wörtliches Zitat, wir nutzen die positiven Effekte des Kapitalmarkts.
Sabine Nuss: Und jetzt kommt mein Lieblingszitat, das System sei krisenfest.
Sabine Nuss: Eva, sag mal was.
Eva Völpel: Also die 770 Euro als fette Bildüberschrift, das klingt in der Tat total super,
Eva Völpel: Aber da musst du dann halt im Kleingedruckten auch in der Bild-Zeitung nachlesen.
Eva Völpel: Das ist halt genau in diesen kleinen, kleinen Artikeln dann da drunter.
Eva Völpel: Das ist halt von der Alterssicherungskommission genau berechnet auf einen Standardrentner, der 45 Jahre lang...
Eva Völpel: Also zum Durchschnittslohn in Vollzeit gearbeitet hat und so auch in die Rentenkasse
Eva Völpel: eingezahlt hat, der könnte das dann vielleicht am Ende bekommen.
Eva Völpel: Warum vielleicht? Weil es total voraussetzungsvoll ist, nämlich dahinter stecken
Eva Völpel: ja auch bestimmte Berechnungen, wie viel Rendite eine Aktienrente dann tatsächlich abwirft.
Eva Völpel: Und das ist ja entscheidend, was du da ansetzt, ob du jetzt davon ausgehst,
Eva Völpel: ja, die hat 3% Rendite oder 5% Rendite.
Eva Völpel: Und das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung der Böckler Stiftung,
Eva Völpel: das hatte sich die Aktienrente auch genauer angeguckt.
Eva Völpel: Und die sagen zum Beispiel, dass diese Berechnungen der Alterssicherungskommission,
Eva Völpel: dass die halt sehr optimistisch sind, denn die gehen in einer längeren Frist,
Eva Völpel: von Erträgen aus bei der Aktienrente von etwas unter 5 Prozent.
Eva Völpel: Und die haben das eben verglichen, wie lief es denn in der Vergangenheit tatsächlich,
Eva Völpel: und beziehen sich da auf die Großbank UBS und die kommt eben für das erste Viertel des 21.
Eva Völpel: Jahrhunderts auf eine, ich zitiere, eine reale globale Aktienrendite von 3,5
Eva Völpel: Prozent Vorkosten. Also sieht man schon mal, da fließen total viele Annahmen
Eva Völpel: rein, die aber so vielleicht überhaupt nicht eintreten werden.
Sabine Nuss: Und das ist alles aber jetzt im Detail schon so festgelegt oder ist das noch in Diskussion?
Eva Völpel: Genau, es gibt eben jetzt die Vorschläge der Alterssicherungskommission,
Eva Völpel: die sind ja sehr allgemein, aber die geben natürlich die Richtung vor,
Eva Völpel: weil eine kapitalmarktgedeckte Rente funktioniert in groben Zügen immer ähnlich
Eva Völpel: und klar, die kleinen Stellschrauben müssen jetzt dann noch irgendwie festgelegt werden.
Eva Völpel: Und offen ist übrigens auch noch, ob die Auszahlungen aus dieser Kapitalrente
Eva Völpel: eigentlich dynamisiert werden, also ob die mit der Inflation mit ansteigen oder nicht.
Eva Völpel: Und wenn die nicht mit der Inflation ansteigen, dann bedeutet das ja,
Eva Völpel: dass ich im Laufe der Bezugsjahre stetig an Kaufkraft verliere mit dem, was ich da rausbekomme.
Sabine Nuss: Und was ist eigentlich mit diesen ganzen Geschichten, die eigentlich auch in
Sabine Nuss: der sogenannten umlagefinanzierten Rente mitfinanziert werden,
Sabine Nuss: wie zum Beispiel Erwerbsminderungsrenten oder,
Sabine Nuss: Witwen- und Waisenrenten und so weiter.
Sabine Nuss: Was ist dann damit? Die werden dann nicht mit berücksichtigt bei der Kapitaldeckung.
Eva Völpel: Genau, das spielt in so einer Aktienrente keine Rolle. Also im Gegensatz zur
Eva Völpel: Umlage, wo das eben ein Teil der Risiken ist, der mit abgesichert wird.
Eva Völpel: Sicher irgendwie mit Luft nach oben in vielen Fällen, aber bei einer Aktienrente
Eva Völpel: ist es halt dein Risiko oder deine Herausforderung, ob du jetzt Kinder erziehst
Eva Völpel: oder ob dein Partner früh stirbt oder, oder, oder.
Sabine Nuss: Mhm, mhm.
Eva Völpel: Also ich kann für mich mal festhalten, dass ich jetzt bei dieser ganzen Debatte
Eva Völpel: um die Aktienrente wirklich nochmal so ein Déjà-vu hatte.
Eva Völpel: Ich habe mich eine Zeit lang mal ein bisschen ausführlicher befasst mit den
Eva Völpel: Rentenreformen unter Rot-Grün, damals unter Schröder und auch wie das eingestieht
Eva Völpel: wurde, was für ein Lobbydruck da war, welche Interessensgruppen da irgendwie massiv aufgetreten
Eva Völpel: sind und wie der Diskurs geprägt wurde.
Eva Völpel: Und es war damals so wie heute, ja, also das wie so ein Zuckerguss über dieses
Eva Völpel: neue Produkt irgendwie gekippt wird. Das ist die Aktienrente.
Eva Völpel: Mit der wird das alles super, genau wie damals bei der Einführung der Riester-Rente,
Eva Völpel: die ja kolossal gescheitert ist.
Eva Völpel: Und das ist halt dann immer der Tenor, ja, Kapitaldeckung, die ist super,
Eva Völpel: bringt total hohe Rendite, ist krisenfest und das ganze Geld gehört einfach
Eva Völpel: nur dir und niemand anderem.
Eva Völpel: Und da bin ich auch über so ein schönes Zitat gestolpert von Stiftung Finanztest.
Eva Völpel: Die machen ja eigentlich immer seriöse, auch eher so zurückhaltende Beratung,
Eva Völpel: gerade bei so Produkten von privater Altersvorsorge und so weiter.
Eva Völpel: Aber die schreiben auch in so einem Ratgebertext zur Charakterisierung der neuen
Eva Völpel: Aktienrente, Zitat, kein Umlageverfahren.
Eva Völpel: Das so hoffentlich renditestark angelegte Geld sparst du für dich selbst an.
Eva Völpel: Es fließt nicht ins Umlageverfahren wie die heute 18,6% vom Brutto,
Eva Völpel: finanziert also nicht die heutigen Rentnerinnen und Rentner. Es ist für dich.
Eva Völpel: Und das finde ich wirklich so Gollum-Talk. Also dieses meins, meins, meins.
Sabine Nuss: Ach so, von Herr der Ringe. Herr der Ringe, okay.
Eva Völpel: Alles meins.
Sabine Nuss: Mein Schatz.
Eva Völpel: Mein Schatz. Und das sind so Narrative, die letztlich der Entsolidarisierung
Eva Völpel: auch wirklich krass Vorschub leisten.
Eva Völpel: Und die dabei so tun, als wäre es eine super Idee in der Rentenfrage nur so
Eva Völpel: den eigenen individuellen Stiefel zu fahren über Aktienrenten.
Eva Völpel: Und das ist einfach nur dumm. Also ich meine, wir reden jetzt nur über so einen
Eva Völpel: Baustein. Wir haben jetzt nicht irgendwie, das ganze Rentensystem wird total
Eva Völpel: gekippt und nur noch Kapitalmarkt gedeckt.
Eva Völpel: Aber es ist halt ein Einstieg. Und ich sage, es ist deswegen total dumm,
Eva Völpel: weil das umlagefinanzierte System an sich so viel stabiler ist,
Eva Völpel: so viel sicherer und so viel transparenter.
Eva Völpel: Vielleicht nur kurz als eine Erinnerung.
Eva Völpel: Die gesetzliche Rentenkasse, die hat
Eva Völpel: Weltwirtschaftskrisen und Finanzkrisen überstanden. Die hat den Zusammenbruch
Eva Völpel: der DDR integriert bekommen. Also die Integration der ganzen Ostrenten in das
Eva Völpel: System der gesetzlichen Rentenversicherung.
Eva Völpel: Da kann man natürlich auch sagen, da war auch Luft nach oben und da haben die
Eva Völpel: Leute im Osten auch hohe Kosten sozusagen gehabt oder hatte Einbußen zum Teil.
Eva Völpel: Aber das hat dieses System hinbekommen.
Sabine Nuss: Und im Gegensatz dazu wissen wir, alle die sich nur annähernd ein bisschen mit,
Sabine Nuss: der kapitalistischen Wirtschaft beschäftigen, dass die inhärent krisenhaft ist. Ja, immer.
Sabine Nuss: Und dann leben wir noch in Zeiten, in denen die Krisen ständig weiter zunehmen
Sabine Nuss: von den geopolitischen Konflikten.
Sabine Nuss: Jetzt mal ganz abgesehen, es gibt irgendwie diese Lieferkettenprobleme,
Sabine Nuss: blockierte Handelswege, die Klimakrise spitzt sich zu.
Sabine Nuss: Es gibt in vielen Ländern sogenannte alternde Gesellschaften,
Sabine Nuss: verlangsamtes Wachstum, dann die KI-Blase noch zu erwähnen. Also es ist meines
Sabine Nuss: Erachtens Kamikaze, was da passiert.
Sabine Nuss: Ich erinnere nochmal an die Folgen der weltweiten Finanzkrise 2008.
Sabine Nuss: Das wird ziemlich sicher nochmal wiederkommen, in welchem Ausmaß auch immer.
Sabine Nuss: Davon können wir ausgehen.
Sabine Nuss: Und das finde ich schon echt ganz schön spooky, was da passiert.
Eva Völpel: Ja, du hast jetzt nochmal die Finanzkrise 2008 angesprochen.
Eva Völpel: Allein wenn man da in die USA guckt, was da beim Crash der Börsen passiert ist,
Eva Völpel: sollte das eigentlich die Augen öffnen.
Eva Völpel: Da haben nämlich private und öffentliche Pensionsfonds allein in den USA eben
Eva Völpel: rund zwei Billionen US-Dollar verloren.
Eva Völpel: Und das hat einfach bedeutet, dass die Renten vieler, vieler Menschen dahingeschmolzen
Eva Völpel: sind wie Schnee in der Sonne.
Eva Völpel: Und jetzt sagen immer so Befürworter der Aktienrente, ja, ja,
Eva Völpel: das gibt es dann schon mal, aber Kurseinbrüche, die werden auf lange Sicht auch oft ausgeglichen.
Eva Völpel: Aber ganz ehrlich, was interessiert mich das, wenn ich gerade der oder die Gekniffene
Eva Völpel: bin, weil ich jetzt dann just in so einer Krise in Rente gehe?
Eva Völpel: Denn das ist das Ding, ja, das ist dann so ein bisschen wie Roulette.
Eva Völpel: Habe ich Glück und lief es gut bis zu meiner Rente oder bin ich mitten im Finanzcrash drin?
Eva Völpel: Und ja, da würde ich sagen, kann man sich auch an zehn Fingern abzählen,
Eva Völpel: dass dann keine Regierung das alles auffängt.
Eva Völpel: Also in den USA war es nicht so.
Eva Völpel: Die Leute sind halt damit im Ring stehen gelassen worden.
Sabine Nuss: Und selbst wenn du es machen würdest, fragst du dich, wo ist jetzt dann der
Sabine Nuss: Nutzen des Staatshaushaltes, wenn er dann wieder einspringen muss mit massiv Geld.
Sabine Nuss: Also es ist tatsächlich auch, finde ich,
Sabine Nuss: krass eine Spekulation auf dein Alterseinkommen, kann man auch so nennen.
Eva Völpel: Ja, die ganzen Risiken werden extrem privatisiert über dieses System.
Sabine Nuss: Ja, und was ich auch erwähnenswert finde nochmal, es ist ja auch ein bisschen
Sabine Nuss: die Frage, wenn ich meine Rentenbeiträge anlege am Aktienmarkt,
Sabine Nuss: dann müssen da ja auch Unternehmen sein, die Gewinn machen tatsächlich, die Profite machen.
Sabine Nuss: Ja, sonst habe ich ja auch nichts davon, sonst gibt es ja keine Rendite logischerweise.
Sabine Nuss: Da ich aber ja auch weiß, wie Unternehmen Profit machen können,
Sabine Nuss: nämlich in Konkurrenz, dadurch, dass sie die Arbeitskosten absenken,
Sabine Nuss: dass sie die Kosten für Ressourcenverbrauch oder umweltschonend produzieren
Sabine Nuss: absenken und so weiter, weiß ich ja schon, worauf das hinausläuft.
Sabine Nuss: Ich befeuere das ganze System damit.
Sabine Nuss: Sieht man jetzt bei der aktuellen Krise bei VW, da ist es ja auch so,
Sabine Nuss: dass sie massiv Leute entlassen, dass auch Standorte geschlossen werden sollen,
Sabine Nuss: damit sie auf eine Umsatzrendite von 9 Prozent kommen. Das muss man sich mal vorstellen.
Sabine Nuss: Und das, weil eben diese Rendite oder das Kapital, das anlagesuchende Kapital
Sabine Nuss: guckt, ah, wo kriege ich am meisten Rendite, ah, bei VW kriege ich nicht mehr
Sabine Nuss: meine 9%, dann lege ich jetzt woanders mein Geld an.
Sabine Nuss: Das heißt, mit der Aktienrente verschärfe ich und beschleunige dieses System
Sabine Nuss: und damit auch wiederum die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einer Krise kommt.
Sabine Nuss: Das ist wirklich krass, oder?
Eva Völpel: Ja, das ist wirklich krass.
Sabine Nuss: Also man sieht es zum Beispiel ganz schön an den Mieterhöhungen,
Sabine Nuss: gerade jetzt von Mieterinnen und Mietern, die bei den großen Immobilienkonzernen,
Sabine Nuss: bei den börsennotierten Mieterinnen sind.
Sabine Nuss: Deren Miete wird erhöht, um die Rendite an den Finanzmärkten wiederum zu erhöhen,
Sabine Nuss: um quasi so eine Anlage in einen Immobilienkonzern oder einen Fonds,
Sabine Nuss: wo der drin ist, attraktiv zu machen, um die Rendite an den Finanzmärkten zu erhöhen.
Sabine Nuss: Und absurd wird es dann, wenn ich über meine Rente einen Pensionsfonds einzahle,
Sabine Nuss: der wiederum in einen Immobilienkonzern angelegt ist.
Sabine Nuss: Das ist so absurd. Also dann wird eine Miete erhöht, um die Rendite zu erhöhen,
Sabine Nuss: um meine Rente zu erhöhen. Das ist wirklich total absurd. Wir werden in das
Sabine Nuss: totale Hexenkessel, also Wettrennen, jeder gegen jeden da auch geschickt.
Eva Völpel: Ja.
Eva Völpel: Genau, das sind so die total grundsätzlichen Fragen, die damit so zusammenhängen.
Eva Völpel: Bei der Beschäftigung mit diesem Thema, jetzt bin ich aber auch noch über eine
Eva Völpel: andere Sache gestolpert, wo ich dann auch schon wieder so dachte,
Eva Völpel: es kann doch einfach nicht wahr sein. Also auch nochmal auf so einer Narrativebene.
Eva Völpel: Es wird ja immer gesagt, die Sozialbeiträge sollen und dürfen nicht steigen.
Eva Völpel: Das ist ja sozusagen das Mantra der Arbeitgeber und das Mantra der Regierung
Eva Völpel: und so weiter. Die müssen schön
Eva Völpel: unten bleiben, sonst sind wir nicht wettbewerbsfähig hier in diesem Land.
Eva Völpel: Und jetzt hat sich Merz bei der Vorstellung der Empfehlungen der Alterssicherungskommission
Eva Völpel: tatsächlich hingestellt und hat gesagt, Zitat, wir wollen perspektivisch,
Eva Völpel: dass das Rentenniveau steigt und die Beiträge sinken.
Eva Völpel: So, dass das Rentenniveau steigt, da haben wir jetzt ja schon drüber gesprochen,
Eva Völpel: da würde ich sagen, it's not gonna happen, also die Aktienrente wird es nicht
Eva Völpel: ausgleichen, was an anderer Stelle gekürzt wird.
Eva Völpel: Und es ist aber bemerkenswert, dass Merz jetzt wirklich sagt,
Eva Völpel: wir wollen perspektivisch, dass die Beiträge sinken. Denn genau das wird mit
Eva Völpel: der Einführung der Aktienrente nicht passieren. Im Gegenteil.
Eva Völpel: Denn die Arbeitgeber und Beschäftigten, die sollen ja insgesamt diese zwei Prozent
Eva Völpel: mehr da jetzt abführen, um diese Aktienrente aufzubauen, den Kapitalstock aufzubauen.
Eva Völpel: Und das IMK, ich hatte es schon mal erwähnt, das Institut für Makroökonomie
Eva Völpel: und Konjunkturforschung, die haben jetzt mal durchgerechnet,
Eva Völpel: okay, was wäre eigentlich bei rausgekommen, wenn man jetzt.
Eva Völpel: Diesen Teil der Reform mal rausgelassen hätte und nur darauf geguckt hätte,
Eva Völpel: die umlagefinanzierte Rente so zu stützen, dann müssten die Beiträge von uns
Eva Völpel: in die Rentenkasse geringer ansteigen, als sie jetzt steigen müssen für die Aktienrente.
Eva Völpel: Und das, finde ich, ist nochmal so ein Augenöffner, dass in dem Moment, wenn es sozusagen,
Eva Völpel: für einen grundsätzlichen großen strukturellen Umbauplan,
Eva Völpel: wie reinpasst, dann ist egal, ob dann doch irgendwie die Sozialbeiträge höher
Eva Völpel: steigen, denn man will jetzt dieses Ding irgendwie durchsetzen,
Eva Völpel: man will die Rente finanzialisieren.
Eva Völpel: Und das IMK hat auch noch ausgerechnet und das ist dann wirklich richtig wild, dass durch diesen,
Eva Völpel: höheren Beitragssatz es sogar dazu kommt, dass wir ab 2028
Eva Völpel: mit einem Verlust beim Wirtschaftswachstum von insgesamt einem Prozentpunkt
Eva Völpel: rechnen können und einem Verlust von 250.000 zusätzlichen Arbeitsplätzen aufgrund
Eva Völpel: des Aufbaus dieser Aktienrente.
Eva Völpel: Und das in Zeiten, in denen, ich bin jetzt auch keine Wachstumsfetischistin,
Eva Völpel: aber wir leben nun mal in dieser Wirtschaft und die Leute müssen arbeiten gehen,
Eva Völpel: sie müssen Löhne bekommen, sie brauchen eine Stelle.
Eva Völpel: Und das in diesen Zeiten, wo die Wirtschaft hier eh nicht gut läuft.
Eva Völpel: Produzierst du durch die Einführung der Aktienrente sozusagen absehbar nochmal
Eva Völpel: eine höhere Arbeitslosigkeit. Und warum ist es so?
Eva Völpel: Weil diese Beiträge, die in die Aktienrente abfließen, die werden an internationalen
Eva Völpel: Kapitalmärkten angelegt. Das heißt, die sind hierzulande nicht für die Konsumausgaben bezahlt.
Eva Völpel: Zur Verfügung oder auch nicht zur Verfügung für Investitionen von Unternehmen.
Eva Völpel: Und das ist halt in einem Umlagesystem anders. Also wenn ich in einem Umlagesystem Beiträge erhöhe,
Eva Völpel: dann habe ich zwar als Beschäftigter steigende Beiträge zu tragen und dann kann
Eva Völpel: ich vielleicht nicht mehr so viele Sachen einkaufen, aber es ist ja ein System
Eva Völpel: der kommunizierenden Röhren.
Eva Völpel: Bei den Rentnerinnen kommt eben dann im besten Fall auch eine höhere Rente an,
Eva Völpel: und damit ist natürlich deren Kaufkraft stärker und die geben das hier in dem Konsumkreislauf aus.
Eva Völpel: Und es fließt nicht wie bei der Aktienrente ab an internationale Kapitalmärkte
Eva Völpel: und ist sozusagen dann hier für einen Wirtschaftskreislauf nicht zur Verfügung.
Eva Völpel: Daraus resultiert halt diese Berechnung oder das sind dann die Folgen.
Sabine Nuss: Gibt es irgendwas Gutes, was von dieser Kommission kam?
Eva Völpel: Also in meinen Augen wirklich wenig. Es gibt so kleine Sachen,
Eva Völpel: da würde ich aber sagen, das wiegt das Schlechte nicht auf.
Eva Völpel: Also zum Beispiel sollen jetzt so die Zwangsverrentungen für langzeitarbeitslose
Eva Völpel: Menschen, die sollen abgeschafft werden.
Eva Völpel: Es gibt so kleine Verbesserungen, die die Kommission vorschlägt für Erwerbsbehinderungsrenten
Eva Völpel: oder für den Reha-Bereich. Und vielleicht eine Sache, die mich auch erstaunt
Eva Völpel: hat, sie haben ja auch dafür plädiert, die Minijobs wirklich komplett abzuschaffen
Eva Völpel: und nur noch für Schülerinnen und Schüler bestehen zu lassen.
Eva Völpel: Und da würde ich sagen, ja gut, wenn das jetzt mal käme, das wäre wichtig in,
Eva Völpel: dem Sinne, als dass Minijobs einfach straight in die Altersarmut führen und
Eva Völpel: vor allem Frauen davon betroffen sind.
Sabine Nuss: Und was ist mit der ganzen Integration aller Erwerbstätigen in die Versicherung,
Sabine Nuss: also dass auch selbstständige Beamte und so weiter einbezahlen?
Eva Völpel: Also da hat die Kommission halt so ein Erwerbstätigungsversicherungsding-Leid vorgeschlagen.
Eva Völpel: Also die sagen halt ja, bezieht doch mal die Selbstständigen mit ein,
Eva Völpel: bezieht auch Abgeordnete mit ein, also Bundestag, Landesparlamente und bezieht
Eva Völpel: auch mal die Vorstände aus Aktiengesellschaften mit ein.
Eva Völpel: Aber bei der Einbeziehung der Beamtinnen, da ist es halt so eine sehr unkonkrete
Eva Völpel: Formulierung. Das wird halt so gezeichnet als ein Idealbild,
Eva Völpel: an dem man sich orientieren sollte. Aber da gibt es keine konkreten Vorschläge,
Eva Völpel: das wirklich anzugehen.
Sabine Nuss: Okay. Und was sagen Gewerkschaften und Verbände? Was ist deren Kritik im Wesentlichen?
Eva Völpel: Also die finden, also Gewerkschaften zum Beispiel kritisieren sehr viel sehr
Eva Völpel: stark, auch die Aktienrente.
Eva Völpel: Und ich finde es und auch ein paar CDU-Ministerpräsidenten kritisieren die Rente
Eva Völpel: mit 63 und das ist so ein bisschen der rote Faden.
Eva Völpel: Auch bei der SPD gibt es ja Kritik an der Rente mit 63 und auch die Gewerkschaften
Eva Völpel: kritisieren das sehr stark und das kann ich einerseits verstehen und andererseits
Eva Völpel: finde ich es ein bisschen schade, weil sich das vor allen Dingen auf diesen
Eva Völpel: Punkt nur zuspitzt. Und was meine ich mit? Ich kann es verstehen.
Eva Völpel: Die Rente mit 63 ist natürlich gerade die Exit-Option, wie du tatsächlich,
Eva Völpel: wenn du total runtergearbeitet bist, früher in Rente gehen kannst ohne Abschläge.
Eva Völpel: Und das ist natürlich vor allem für Menschen in Ostdeutschland auch nochmal
Eva Völpel: extrem wichtig. Also da wird die Rente mit 63 auch so ein bisschen mehr in Anspruch
Eva Völpel: genommen als in Westdeutschland.
Eva Völpel: Aber insgesamt finden viele Leute die gut. Also es sind viele Leute gegen die
Eva Völpel: Abschaffung, zeigen so Umfragen.
Eva Völpel: Und warum ist die in Ostdeutschland nochmal so viel wichtiger?
Eva Völpel: Weil du in Ostdeutschland eine Situation hast, wo drei Viertel der Bevölkerung
Eva Völpel: sowieso nur auf die Absicherung aus der gesetzlichen Rente angewiesen sind.
Eva Völpel: Die haben also keine betriebliche Rente, die haben keine private Altersvorsorge
Eva Völpel: wie eine Riester-Rente.
Eva Völpel: Das heißt, die Frage, wenn ich gesundheitlich am Ende bin, wann kann ich ohne
Eva Völpel: Kürzung in die Rente gehen, brennt da den Leuten viel mehr unter den Nägeln.
Eva Völpel: Und es ist ja auch so, dass du in Ostdeutschland hast ja auch längst nicht diese
Eva Völpel: großen Erben, wie du sie im Westen hast.
Eva Völpel: Und du hast nicht die Einnahmen aus jetzt Mieteinkünften, wenn du was vermietest,
Eva Völpel: weil es einfach diese hohe Eigentümerquote
Eva Völpel: auch nicht gibt an zusätzlichen Eigentumswohnungen in der Familie.
Sabine Nuss: Und nochmal zu dieser längeren Lebensarbeitszeit, da muss man auch immer wieder
Sabine Nuss: betonen, wie sehr das die schon existierende Ungleichheit verschärft.
Sabine Nuss: Also du hast ja, also wer einen höheren ökonomischen, sozioökonomischen Status
Sabine Nuss: hat, lebt länger. Unterschiede sind ja auch da ganz schön drastisch.
Sabine Nuss: Zum Beispiel sind Frauen in der niedrigsten Einkommensgruppe,
Sabine Nuss: die sterben über vier Jahre früher als Frauen in der höchsten Einkommensgruppe
Sabine Nuss: und bei Männern ist der Unterschied bei 8,6 Jahre.
Sabine Nuss: Also das ist auch nochmal eine Verschärfung dieses Verhältnisses dann.
Sabine Nuss: Aber Eva, lass uns ganz kurz wenigstens nochmal auf die Alternativen schauen.
Sabine Nuss: Welche gäbe es denn, um es anders zu machen, wenn wir jetzt mal von der Revolution
Sabine Nuss: absehen, die so schnell nicht stattfinden wird?
Sabine Nuss: Mir fällt da immer Österreich ein. Und ich möchte nochmal erinnern,
Sabine Nuss: wir hatten das auch schon in der Folge Nummer 5, dass wir da nach Österreich
Sabine Nuss: gucken sollen. Dort lag die durchschnittliche Altersrente im Jahr 2023 bei...
Sabine Nuss: 1.869 Euro brutto im Monat. Also ungefähr 600 Euro über dem deutschen Durchschnitt.
Sabine Nuss: Und das bei ganz ähnlichen Wirtschaftsstrukturen, ähnlicher Wirtschaftskraft.
Sabine Nuss: So, was machen die besser?
Eva Völpel: In Österreich kann man feststellen, dass die, als auch da die Auseinandersetzung
Eva Völpel: um die Rente tobten, ähnlich zu einer Zeit wie bei uns unter Rot-Grün,
Eva Völpel: dass die einen anderen Weg gegangen sind.
Eva Völpel: Die haben sich verweigert, diesen neoliberalen Reformkurs zu gehen und da stecken
Eva Völpel: ja wirklich harte Kämpfe und
Eva Völpel: Auseinandersetzungen auch der Gewerkschaften hinter und der Beschäftigten.
Eva Völpel: Und statt hier wie bei uns die Rente zu kürzen und Riester einzuführen,
Eva Völpel: haben die das Umlagesystem, also die gesetzliche Rentenkasse gestärkt.
Eva Völpel: Und zwar maßgeblich durch drei Stellschrauben, die diese Unterschiede in den
Eva Völpel: verschiedenen Rentenhöhen Deutschland, Österreich erklären.
Eva Völpel: Und das ist einerseits, sie haben eine wirkliche allgemeine umfassende erwerbstätigen
Eva Völpel: Versicherung. Also da zahlen eben auch unter anderem Beamtinnen ein.
Eva Völpel: Dann bekommt die Rentenkasse in Österreich deutlich mehr Bundesmittel als in Deutschland.
Eva Völpel: Und der Beitragssatz, der an die Kasse abgeführt wird, der liegt seit den 80er
Eva Völpel: Jahren auch konstant höher als bei uns.
Eva Völpel: Und es ist sogar noch so, dass die Arbeitgeber von diesem Beitrag prozentual
Eva Völpel: ein bisschen mehr abführen müssen an die Kasse als die Beschäftigten,
Eva Völpel: wobei ich finde, es ist immer so ein bisschen eine Milchmädchenrechnung,
Eva Völpel: weil alles, was die Arbeitgeber sozusagen an Rentenbeitrag in die Kasse abführen,
Eva Völpel: ist ja ein letztlich einbehaltener Teil unserer Arbeitslöhne.
Sabine Nuss: Auf jeden Fall. Okay.
Eva Völpel: Und Österreich verweist insofern eben auf die Punkte, wo wir auch hier ran müssten.
Eva Völpel: Also ich würde jetzt ganz kurz sagen, wir müssten all das machen,
Eva Völpel: was in Österreich gemacht worden ist und noch ein paar Dinge dazu,
Eva Völpel: also Beitragsbemessungsgrenzen anheben. Das erwähne ich jetzt aber nur mal hier
Eva Völpel: kurz, müssen wir vielleicht jetzt nicht nochmal extra im Detail einsteigen.
Eva Völpel: Was mir wichtig ist, ist nochmal auf diesen Bundeszuschuss zu gucken,
Eva Völpel: weil damit ja auch so ein ganz gängiges Narrativ verbunden ist.
Eva Völpel: Es wird ja oft so getan, als sei der Bundeszuschuss einerseits quasi wie so
Eva Völpel: ein Almosen, was die Rentenkasse bekommt und außerdem würde der immer so extrem
Eva Völpel: ansteigen und das wäre alles nicht mehr finanzierbar und so weiter.
Eva Völpel: Ich habe ja ganz zu Anfang schon mal die Zahlen genannt, dass wenn man das im,
Eva Völpel: Verhältnis setzt zum Bundeshaushalt insgesamt und so weiter, dass das nicht stimmt.
Eva Völpel: Man muss halt einfach sagen, dieser Bundeszuschuss, vielleicht sollte man auch
Eva Völpel: lieber Bundesanteil sagen, der ist einfach gesetzlich festgelegt und der ist
Eva Völpel: definiert als, der Bund soll,
Eva Völpel: der Rentenkasse Geld geben, um diese sogenannten versicherungsfremden Leistungen
Eva Völpel: erstattet zu bekommen, für die eben keine Beiträge der Beschäftigten fließen.
Eva Völpel: Das heißt, das sind alles Leistungen, wo politisch definiert worden ist, das wollen wir haben.
Eva Völpel: Das dient dem sozialen Ausgleich in der Gesellschaft.
Eva Völpel: Wie jetzt zum Beispiel die Mütterrente, also die Anerkennung der Erziehungszeiten
Eva Völpel: oder wie die Angleichung der Austrenten.
Eva Völpel: Und was jetzt passiert ist, dass der Bund diese Kosten, die die Rentenkasse
Eva Völpel: da hat, einfach nicht vollständig erstattet. Und zwar nicht erst seit gestern,
Eva Völpel: sondern seit Jahrzehnten.
Eva Völpel: Und das summiert sich auf total irre Beiträge. Also es gab mal so einen Ökonomen,
Eva Völpel: war es glaube ich, oder zumindest ein Rentenfachmann, der hat das mal ausgerechnet,
Eva Völpel: das ist die sogenannte Teufeltabelle.
Eva Völpel: Und der hat mal so aufsummiert, was zwischen 1957 und 2022 sozusagen der Rentenkasse
Eva Völpel: da eigentlich zugestanden hätte und was sie nicht bekommen hat.
Eva Völpel: Und da geht es um fast eine Billion Euro.
Eva Völpel: Und auch im 2024 war es so, dass ein riesiges Loch von rund 40 Milliarden Euro
Eva Völpel: klafft. Das bekommt die Rentenkasse einfach nicht erstattet.
Eva Völpel: Nee, Entschuldigung, das war 2023 sind das die Zahlen, dass diese Lücke bei 40 Milliarden lag.
Eva Völpel: Und jetzt ist es sogar noch so, dass im Haushalt dieser Zuschuss noch weiter
Eva Völpel: gekürzt werden soll an die Kasse.
Eva Völpel: Und das ist eine dieser ganz wichtigen Stellschrauben, die man gar nicht so
Eva Völpel: mitkriegt. Aber das ist so ein bisschen, so funktioniert halt das neoliberale Playbook.
Eva Völpel: Also du hast so permanent eine Unterfinanzierung einer öffentlichen Sozialkasse.
Eva Völpel: Und durch diese permanente Unterfinanzierung kannst du dann irgendwann wieder
Eva Völpel: sagen, oh, das sieht so schlecht aus, wir müssen jetzt entweder wieder Renten
Eva Völpel: kürzen oder wir müssen die Sozialbeiträge hochziehen.
Eva Völpel: Obwohl eigentlich der Bund in der Verantwortung wäre, das Geld zuzuschießen.
Eva Völpel: Und über den Bund ist damit die Steuerfrage aufgerufen. Und damit natürlich
Eva Völpel: die alles entscheidende Frage, wer entzieht sich hier eigentlich einer gerechten
Eva Völpel: Besteuerung in diesem Land?
Eva Völpel: Und damit ist völlig klar, wir brauchen eine Vermögensteuer und eine Reform
Eva Völpel: der Erbschaft und Schenkungssteuer,
Eva Völpel: damit eben die Extremvermögenden in diesem Land anders einzahlen und von diesem
Eva Völpel: Geld, was steuerlich dann eingenommen wird, auch natürlich ein größerer Anteil
Eva Völpel: in die Rentenkasse fließen könnte.
Sabine Nuss: Ja, würde ich dafür sein auch.
Sabine Nuss: Aber den Menschen soll es halt nicht gut gehen. Das ist ja eigentlich das,
Sabine Nuss: was man so ein bisschen mitnehmen kann.
Eva Völpel: Ja, es ist der harte Verteilungskampf. Und da gewinnen die einen und verlieren die anderen.
Sabine Nuss: Nicht nur, was Kaiserschmarrn angeht, kann man von Österreich lernen,
Sabine Nuss: sondern auch, was das Rentensystem angeht.
Sabine Nuss: Da sollte man wirklich mehr hingucken.
Sabine Nuss: Eva, ich muss jetzt erstmal ein großes Dank an dich aussprechen,
Sabine Nuss: dass du dich immer so unglaublich in diese Themen rein vertiefst,
Sabine Nuss: wo ich ja immer sage, oh Gott, das geht nicht in meinen Kopf rein.
Eva Völpel: Dafür gehen ganz viele andere Dinge in meinen Kopf rein.
Sabine Nuss: Ja, es gehen andere Dinge in meinen Kopf rein, da hast du recht.
Sabine Nuss: Aber diese Dinge, wo es dann auch mit Zahlen und dem Ganzen hin und her rechnen,
Sabine Nuss: das ist echt schwer, aber du kannst es immer super erklären.
Sabine Nuss: Jetzt kommen wir zu unserer Abteilung Mitbringsel. Eva, hast du noch was Kleines mit?
Eva Völpel: Nee, meine Abteilung ist schon weggeblieben.
Sabine Nuss: Deine Abteilung ist leer. Dein Köcher ist leer. Ich habe noch abschließend was.
Sabine Nuss: Und zwar haben wir in der letzten Zeit ja oft das Thema Vergesellschaftung in
Sabine Nuss: den Medien gehört. Das erkläre ich jetzt nicht. Ich glaube, das ist selbsterklärend.
Sabine Nuss: Aber was ich angesichts dessen auf jeden Fall ankündigen möchte als kleines
Sabine Nuss: Mitbringsel, ist, dass wir am 10. Oktober einen sogenannten bundesweiten Vergesellschaftungstag
Sabine Nuss: haben. Habt ihr das gewusst? Der Tag der Vergesellschaftung?
Eva Völpel: Nein.
Sabine Nuss: Tja, ist auch ganz neu. Ich gehe jetzt mal davon aus, dass der jetzt jährlich stattfinden wird.
Sabine Nuss: Und zwar von einem Bündnis, was sich zusammengetan hat bundesweit,
Sabine Nuss: in dem mehrere Vergesellschaftungsinitiativen und Commoning-Initiativen sich
Sabine Nuss: zusammengeschlossen haben, um gemeinsam jetzt für den 10.
Sabine Nuss: Oktober einen bundesweiten dezentralen Aktionstag auf die Beine zu stellen.
Sabine Nuss: Wir senden, wir haben heute den 5. und zeichnen das am 5. auf.
Sabine Nuss: Am 9. Oktober wird die Folge ausgestrahlt.
Sabine Nuss: Und einen Tag später ist dann, also quasi für euch, die ihr da jetzt zuhört,
Sabine Nuss: morgen ist dieser Aktionstag. Ihr findet auf der Webseite alle Infos dazu.
Sabine Nuss: Die Webseite heißt Alles für alle.org. Wir verlinken das in den Shownotes.
Sabine Nuss: Es gibt einige Veranstaltungen bundesweit, aber es geht darüber hinaus.
Sabine Nuss: Ihr könnt euch nämlich einbringen, auch für die Zukunft in dieses Bündnis.
Sabine Nuss: Und ihr findet auf der Webseite alle Kontaktmöglichkeiten und wie ihr das machen
Sabine Nuss: könnt. Und genau, soweit von mir.
Sabine Nuss: Danke nochmal an alle, die hier zugehört haben. Wenn ihr uns schreiben möchtet,
Sabine Nuss: vielleicht noch ganz kurz nach der letzten Folge gab es ein paar Zuschriften.
Sabine Nuss: Wir haben das nicht vergessen. Wir beantworten, noch beantworten wir alle Zuschriften, die wir bekommen.
Sabine Nuss: Brauchen noch ein paar Tage. Ihr könnt uns also jederzeit schreiben.
Sabine Nuss: Wir freuen uns über jede E-Mail an armutszeugnis-at-rosalux.org.
Sabine Nuss: Und damit sage ich jetzt auf Wiederhören.
Eva Völpel: Auf Wiederhören.
Neuer Kommentar