#30 Vergesellschaftung: Wie funktioniert das feministisch?

Shownotes

Was können wir gegen die Sorgekrise und die gewaltvollen Geschlechterverhältnisse im Kapitalismus tun? Wie verhindern wir, dass sich die gesellschaftlichen Strukturen, die diese Konflikte hervorbringen, ständig wieder neu herstellen? Manche sagen: Feministisch vergesellschaften!

Doch was genau steckt hinter dem Ansatz und warum könnte die Strategie des feministischen Vergesellschaftens eine Brücke schlagen zwischen verschiedenen Generationen und Spektren linker, feministischer Akteur*innen? Wie können Projekte des feministischen Vergesellschaftens schon im Hier und Jetzt ausbuchstabiert werden?

Darüber sprechen wir in unserer neuen Folge mit Barbara Fried. Sie ist Referentin für klassenpolitischen Feminismus und sozialistische Transformation in der Rosa-Luxemburg-Stiftung.

Schreibt uns an: armutszeugnis@rosalux.org

Alle Podcasts der Rosa-Luxemburg-Stiftung: www.rosalux.de/podcasts

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Shownotes

Konferenz "Feministisch Vergesellschaften - Her mit dem ganzen Leben!" (25.-27. September 2026, Ruhr-Uni-Bochum)

Fried, Barbara/Wischnewski, Alex: Feministisch Vergesellschaften: Intersektionale Perspektiven auf Eigentum, Herrschaft und Produktion. In: Zeitschrift LuXemburg 2026.

Mascha Madörin (2017): Neoliberalismus und die Reorganisation der Care-Ökonomie. In: Hans Baumann et al. (Hg.): Denknetz. Jahrbuch 2007: Zur politischen Ökonomie der Schweiz. Eine Annäherung. Zürich.

Offizielle Webseite des mexikanischen Projekts UTOPIAS in Itztapalapa, Mexiko: https://utopias.mx/

Hier geht’s zum RLS-Dossier „Sorgende Städte“ mit vielen Texten, darunter Studien zu Eigentumsverhältnissen und rechtlichen Möglichkeiten einer stärkeren Gemeinwohlorientierung in der kommunalen Altenpflege, zur Initiative „Shoppingzentren zu Sorgezentren“ in Berlin oder zu internationalen Beispielen sorgender Städte, etwa in Lateinamerika und Spanien.

Initiative „Sorge ins Parkcenter“:https://www.sorgezentren.de/

Wahmkow, Jonas:Die sorgende Stadt. Ein Kongress in Berlin diskutiert, wie die Stadt in Zukunft aussehen könnte. Vor allem geht es um die Bedürfnisse der Be­woh­ne­r:in­nen. In: taz, die tageszeitung, 24.3.2026.

Transkript anzeigen

00:00:06:

00:00:22: Hallo und herzlich willkommen zu unserer dreißigsten Folge von Armutszeugnis, dem Wirtschaftspodcast der Rosa-Luxenburg Stiftung.

00:00:28: Hallo Sabine!

00:00:29: Hallo Eva!

00:00:30: Wir haben ja hier in dem Podcast schon relativ häufig mal über Geschlechterverhältnisse gesprochen bzw.

00:00:36: über Geschlächter Ungleichheit das letzte Mal in der Folge XXV.

00:00:41: Da haben wir uns nämlich gefragt, hat Armut ein Geschlecht?

00:00:45: Und heute soll es darum gehen dass wir überlegen was können wir eigentlich gegen die Geschlechter Ungleichheit tun?

00:00:51: und da sage ich mal ganz kurz zum Beispiel feministisch Vergesellschaft.

00:00:57: Unter dem Begriff können sich jetzt vielleicht einige von euch erst einmal noch gar nicht so viel vorstellen.

00:01:01: Ich finde es ehrlich gesagt auch einen komplizierten Begriff wo man erstmal viele Fragezeichen im Kopf hat Vor allem, weil Vergesellschaftung für viele sicherlich eher mit ganz anderen Bereichen verknüpft ist.

00:01:14: Also traditionell kommt sozusagen die Forderungen nach Vergestschaftung also nach der Überführung von Privateigentum in Gemeindeigentum ja eher aus den Industriebereichen, also zum Beispiel Stahlindustrie oder auch aus der Kohle.

00:01:27: Traditionell so aus der Arbeiterbewegung.

00:01:29: Sozialisierungsforderung ist da das Schlagwort gewesen und in jüngerer Zeit hat Ja, ich sag mal, Furore gemacht ein bisschen im Bereich des Wohnens mit Deutsche Wohnen und Co.

00:01:42: und der Forderung große Wohnungskonzerne eben zu enteignen Und da geht es dann eben um einen Bereich der sozialen Daseinsvorsorge.

00:01:51: Aber was jetzt genau feministisch vergesellschaften bedeutet?

00:01:55: Das wollen wir heute besprechen mit unserem Studiogast.

00:01:58: Ich freue mich sehr dass Barbara Fried bei uns ist.

00:02:01: Hallo Barbara!

00:02:01: Hallo ihr beiden, ich freu mich das ihr mich eingeladen habt

00:02:05: Barbara, du bist eine Kollegin von mir und zwar bist du Referentin für klassenpolitischen Feminismus- und sozialistische Transformation.

00:02:13: Und du bist derzeit ganz schön beschäftigt mit der Organisierung einer großen Konferenz – die heißt auch Just feministisch

00:02:20: Vergesellschaften

00:02:21: – her mit dem ganzen Leben!

00:02:23: Die findet vom XXV bis zum XXII September an der Ruhruniversität in Bochum statt und zwar als eine Kooperation zwischen der Rosa Luxemburg-Stiftung und dem Maria Hoda Center for International Gender Studies in Bochum.

00:02:39: Und die Anmeldung für die Konferenz, die ist immer noch geöffnet oder ich vermute das wenn die Sendung ausgestrahlt wird dass sie immer noch Geöffnet ist.

00:02:47: meldet euch also gerne noch an.

00:02:49: wir packen euch den Link zu der Konferent auf jeden Fall in die Show Notes und Wenn ihr es nicht dahin schaffen solltet Dann könnt ihr im Nachgang auf jeden Fall Teile der Konferenz dann auch später bei der Rosa Luxemburg-Stiftung auf den Internetseiten finden.

00:03:03: So, Barbara!

00:03:05: Um in das Thema mal so richtig schnell Kopfüber kurz einzutauchen, sag uns doch mal in eine Nutshell was bedeutet für dich feministisch Vergesellschaften?

00:03:15: Ja also feministisch vergesellschaftend heißt dass wir die Sphärentrennung, die für den Kapitalismus... Strukturgebend ist, und zwar die Sferntrennung von Produktionen und Reproduktion.

00:03:26: Also der Güterproduktion auf der einen Seite und der Produktion des Lebens wie wir manchmal auch sagen auf der anderen Seite dass wir die überwinden und mit ihr auch die geschlechtliche Arbeitsteilung die Sorgearbeit an Frauen delegiert und ins private Schieb.

00:03:40: Und deswegen geht es letztlich auch darum die hierarchisch-gewaltvollen Geschlechterverhältnisse im Kapitalismus umzubauen.

00:03:48: gesagt, du hast jetzt gerade dieses Ferntrennung angesprochen.

00:03:51: Da will ich jetzt gleich noch mal drauf zu sprechen kommen aber kurz vorher Barbara Du sagst ja auch dass eine feministische Bewegung sich nicht darauf reduzieren sollte oder das es nicht bedeuten solltet, dass jetzt ein paar Männer Sorgearbeit übernehmen oder dass diese einfach besser entlohnt wird die Sorge Arbeit so wie's der Liberale Feminismus fordert sondern es geht viel mehr um Macht- und Herrschaftsverhältnisse Die zusammen hängt mit dieser spezifischen Arbeitsteilungen.

00:04:17: Vielleicht kannst du darauf noch mal näher eingehen.

00:04:20: Ja, das mache ich gern!

00:04:22: Du hast ja eigentlich wichtige Stichworte jetzt schon angesprochen... Also die Frage wer über Wesenarbeitskraft verfügen kann ist ein wichtiges Moment von Herrschaft und Diese Verfügung über fremde Arbeitskraft ist im Kapitalismus außerdem die Grundlage für Privateigentum und damit begründet sie auch die Klassenspaltung.

00:04:41: Jetzt erstmal ganz allgemein, also einige verfügen über private Firmen, Fabriken oder auch Pflegeheime können darin andere Leute für sich arbeiten lassen und den gesellschaftlich produzierten Reichtum privat abschöpft Und Eigentum bedeutet, und das ist für uns wichtig eben deswegen nicht nur die Verfügung über Dinge sondern es ist immer auch die verfügung über die Arbeit von Menschen.

00:05:04: Das ist mir wichtig weil das nicht nur fürs Klassenverhältnis gilt sondern auch fürs Geschlechter-Verhältnis.

00:05:09: also es gilt für die Verfügungen über die arbeit von Frauen in der Familie und es gilt irgendwie eigentlich auch für rassifizierte Arbeitsteilung wenn Menschen und Arbeitskraft entlang von Rassifizierungen, Migrationsregimen abgewertet werden.

00:05:25: Dazu können wir sicher später noch mal

00:05:27: sprechen.".

00:05:28: Und in Teilen der Linken gibt es immer noch die Tendenz geschlechter Verhältnisse auf Fragen von Lebensweise- und Lebensstil letztlich zu verengen – und das ist fatal, weil es eigentlich diesen rechten Kulturkampf auf den Leim geht!

00:05:42: Und stattdessen ist für uns wichtig, dass wir sie als Frigga Hauke hat es mal bezeichnet, als fundamentale Regelungsverhältnisse im Kapitalismus begreifen.

00:05:52: Das heißt, sie regeln nicht nur wer über Wesenarbeit verfügt, sondern sie reglen auch wessen Arbeit wie viel Wert ist.

00:05:58: Sie regeln also auch, wie Ausbeutung von Menschen unterschiedlich ist oder wie AusBeutung Menschen unterschiedliche trifft und wie das mit Rollenerwartungen Körpernormen, Idealen, Alltagspraxen- und Lebensmöglichkeiten verschränkt ist.

00:06:13: Also aus einer quierfeministischen oder auch antirassistischen Perspektive spielt dann da auch eine Rolle, wer zur Norm gehört.

00:06:19: Wie soziale Ausschluss funktioniert und damit auch wie gewalt legitimiert wird?

00:06:23: All das ist mit dieser Arbeitsteilung verbunden.

00:06:27: Und auf diesem Terrain von Geschlecht – und das ist glaube ich wichtig für die Frage – verschränken sich also soziale ökonomische und kulturelle Fragen!

00:06:37: Ja genau, für ne sozialistisch Veränderungsperspektive ist es wichtig uns klarzumachen, dass Ausbeutungen eben auf ne spezifische Weise übergeschlecht organisiert wird, obwohl sie uns als was Individuelles erscheint.

00:06:51: Hinweise darauf finden wir interessanterweise auch schon bei Marx und Engels nämlich in der deutschen Ideologie.

00:06:56: sagen wie Sie die verfügung des Mannes über die Arbeit der Frauen der Familie ist das erste Eigentum so bezeichnen Sie das Genau!

00:07:04: Und insofern argumentieren wir dass diese von dir erwähnte Arbeitsteilungen in produktive und reproduktive Arbeit im Grunde die geschlechtliche Seite des Eigentums Verhältnisses.

00:07:15: Barbara noch mal ganz kurz dazwischengegrätscht.

00:07:18: Ich will nochmal auf dieses Ferntrennung genauer eingehen, weil die uns ja auch so natürlich vorkommen, dass wir die Seite der Produktion haben und die Seite de Reproduktionen.

00:07:26: Und das ist dann irgendwie ... Das eine ist eher männlich konnotiert, das andere eher weiblich gelesen.

00:07:32: Vielleicht kannst du das noch ein bisschen näher ausführen?

00:07:35: Ja, genau!

00:07:36: Also, das hast Du jetzt im Prinzip auch schon gesagt was für uns interessant ist glaube ich auch mit entstehendes Kapitalismus fallen eben diese Bereiche auseinander, dass Produktionen tendenziell in der Fabrik im öffentlichen Raum stattfindet.

00:07:52: Während die Reproduktion also alle Tätigkeiten, die sich um das Leben drehen pflegen Kinder erziehen aber eben auch diese ganz wichtigen Arbeiten emotionalen Zuwendung zuhören trösten all das wird in die Familie und an Frauen delegiert und dort eben unentlohn verrichtet.

00:08:09: Und?

00:08:10: Das ist der zentrale Punkt.

00:08:12: Diese verschiedenen Tätigkeiten werden räumlich getrennt, mit privat öffentlich verschränkt und jeweils einem geschlecht zugewiesen.

00:08:19: Ökonomisch bedeutet das aber dass dieser ganze Bereich der Reproduktiven arbeiten und damit großer Teil der gesellschaftlichen notwendigen Arbeiten die wichtig sind um unser Leben zu erhalten, aber die auch für die Reproduktion der wahre Arbeitskraft elementar sind eigentlich außerhalb des Lohnverhältnisses verrichtet werden und somit vom Kapital unentgeltlich angeeignet wird.

00:08:42: Also die Ausbeutung in dieser Sphäre der

00:08:44: Reproduktion.".

00:08:46: Aber warte mal, das heißt wenn ich dich richtig verstehe so wie du es jetzt sagst beziehst du die Reproduktionsphäre nur auf die unbezahlte Arbeit?

00:08:57: Ja also das ist so dass sich halt im Laufe der Zeit hat sich das verschoben, dass viele Tätigkeiten die wir unter reproduktive Arbeit fassen zunehmend professionellisiert wurden.

00:09:08: Das war ja im Beginn des Kapitalismus Kaum so.

00:09:11: Da waren es dann tendenziell Kirchen, die Altenheime gemacht haben oder auch Pflege irgendwie im gesundheitlichen Bereich.

00:09:19: Aber da war sozusagen diese Professionalisierung von Sorgearbeit noch nicht so ein Thema heute und ich glaube, da kommen wir vielleicht nachher auch nochmal stärker drauf.

00:09:27: Haben wir dort eine doppelte Privatisierung?

00:09:30: Die eine, die ins Private schiebt und die andere, die auch noch ökonomisiert.

00:09:35: Aber ich würde sagen, da sprechen wir vielleicht.

00:09:38: Dann ist es falsch, was ich gerade gesagt habe.

00:09:41: Ich hab ja gerade gesagt die Produktionsfähre ist eher männlich gelesen weil ich jetzt automatisch gedacht hab, weil die Reproduktionsfähres weibig gelesen.

00:09:48: aber das stimmt ja eigentlich so auch nicht, ne?

00:09:50: Weil es auch dadurch dass es immer mehr Werbsarbeit unter Frauen gibt haut das ja auch nicht mehr richtig hin.

00:09:55: Das stimmt also.

00:09:57: Es ist...ich glaube wir müssen hier unterscheiden zwischen so einer Art systematischer Trennung, um die es uns jetzt geht.

00:10:05: Wenn wir sagen, wir müssen feministisch vergesellschaften da kommen wir dann gleich noch drauf und auf einer empirischen ... ist sag ich mal einen empirischen Durcheinander was wir in der Welt heutzutage finden weil durch Frauenerwerbstätigkeit hat sich natürlich wahnsinnig viel verschoben Hat sich auch diese sogenannte Sorgekrise vielleicht können wir nachher auch noch dazu sprechen entstanden weil eben Dadurch das nicht mehr so hinhaut, also weil das der Punkt ist.

00:10:29: Es gibt diese systematische Zuweisung aber es gibt eine Dysfunktionalität in der Art und Weise wie es im Alltag funktioniert.

00:10:36: Und dazu gehört auch dass Frauen viel Erwerbsdietigkeit machen und die Sorgearbeit sozusagen obendrauf kommt oder liegen bleibt oder eben sehr stark an rassifizierte Personen weiter nach.

00:10:47: ich sage jetzt mal nach unten In der Hierarchie der Arbeitsteilung weiter gereicht wird Genau!

00:10:56: Diese Arbeit in der täglichen Verrichtung mit dem Geschlecht Frau quasi natürlich verschmelzen, also als deren zweite Natur gelten.

00:11:05: Erst dadurch wird es überhaupt möglich zu legitimieren dass sie anders als die anderen arbeiten nicht entlohnt oder schlechter entlohn werden Also weil Sie angeblich aus Liebe erbracht werden.

00:11:17: Das ist halt total wichtig.

00:11:18: das quasi Die Markierung als Frau und die Rollenerwartungen die damit verbunden ist, gesellschaftlich hergestellt und legitimiert, dass ein ganzes Feld von gesellschaftlichen Notwendige Arbeit nicht oder schlecht entlohnt wird.

00:11:34: Und der Kapitalismus fußt eben genau auf dieser Unterordnung und Abwertung von als weiblich markierten Tätigkeiten.

00:11:41: Mit dieser Abwertungen der Tätigkeit geht auch die Abwerting der Personen einher.

00:11:47: Insofern ist diese Arbeitsteilung zwei Seiten einer Medaille sind, ist im Grunde die Grundlage auch geschlechtsbezogener Gewalt.

00:11:57: Weil es die Menschen quasi der Gewalt stärker Preis gibt.

00:12:02: und last but least das scheint mir auch total wichtig zu sein für die Debatte ist dass diese Arbeitsteilung eben auch die Grundlager, das für uns natürlich erscheinenden binären Zins- und heteronormativen Geschlechterverhältnissen ist weil sie in dieser ökonomischen Trennung uns als Menschen, als binäre Kategorien gegenüberstellt.

00:12:26: Also die geschlechtliche Arbeitzeilung ist auch die Basis für die dominante Hetra- und Zisnormativität.

00:12:33: Sagen wir mal ganz kurz zu unserer Hörerin CIS.

00:12:36: Was bedeutet das?

00:12:37: Ja also CIS.

00:12:38: Geschlechtlichkeit bedeutet die Vorstellung dass sich Personen mit dem ihnen von außen bei der Geburt zugewiesenen Geschlechter auch identifizieren können.

00:12:51: Also das sozusagen, genau die Gegenkategorie ist Transgeschlechtlichkeit.

00:12:55: Das heißt dass Personen mit dem Geschlecht was andere ihnen medizinisch zuweisen sich damit nicht identifizieren wollen.

00:13:03: Ich habe daran am Knüpfen.

00:13:04: wir jetzt nochmal eine weitere Frage.

00:13:06: du sprichst ja jetzt sehr klar also so sagen wirklich von Zweisferen Mann und Frau sag ich jetzt mal oder weiblich gelesen sagst du schon auch aber es ist vor allem da die Männer da die Frauen und in einem bestimmten feministischen Diskurs wird das ja auch von der Sprache her extra aufgebrochen.

00:13:23: Wir reden nicht

00:13:23: mehr so,

00:13:24: wir reden zum Beispiel von Flinta.

00:13:26: Also vielleicht nochmal kurz zur Erklärung.

00:13:27: Flinta eben die Abkürzung für Frauen, Lesben intergeschlechtliche Nichtbinäre transgeschlechliche und Agenderpersonen.

00:13:34: Warum machst du das explizit an dieser Stelle

00:13:37: nicht?

00:13:37: Ja, das ist cool dass du es fragst weil das ist tatsächlich immer wieder im politischen Sprechen gar nicht so einfach.

00:13:44: also der Begriff flinter will ja genau diese binäre Anordnung infrage stellen.

00:13:49: Also es ist ein politischer Allianzbegriff, wenn wir so wollen für all diejenigen, die von diesem patriarchalen Geschlechterverhältnis wie ich es jetzt gerade beschrieben habe besonders betroffen und diskriminiert werden.

00:14:00: Der Begriff ist eine Allianze bezeichnung.

00:14:02: Aber der Begriff Flinter stellt eben nicht nur diese rechte Erzählung oder die Erzählungen im rechten Kulturkampf infrage Materielle in unserer Alltagspraxis verankert diese Zweigeschlechtlichkeit.

00:14:19: Also wenn wir über geschlechtliche Arbeitsteilungen sprechen und über die Frage der Sorgearbeit, dann geht es um die soziale Kategorie Frau.

00:14:28: Manchmal nicht so einfach, weil wir wollen in unserer Sprache die Binarität aufheben und irgendwie Allianzbegriffe für einen Kampf gegen dieses Geschlechterverhältnis benutzen.

00:14:37: Und deshalb sagen wir dann weiblich gelesene Personen oder Flinter um genau dem Rechnung zu tragen.

00:14:42: das finde ich auch absolut richtig und wichtig!

00:14:44: Weil unsere Sprache ja auch bewusstseinsbildend ist.

00:14:47: wenn wir jetzt aber analytisch

00:14:48: gucken

00:14:48: Dann ist es ebenso dass durch diese Sphärentrennung und die geschlechtliche Arbeitsteilung wird Sorgearbeit Frauen zugewiesen.

00:14:56: Vielleicht kann man es auch noch mal anders sagen, durch die Zuweisung bestimmter Arbeiten werden manche Arbeiterinnen zu Frauen gemacht.

00:15:05: Das ist jetzt eine sehr zugespitzte Formulierung an der sich vielleicht auch manche reiben aber faktisch ist es so jenseits von biologischen Kategorien einfach ne soziale Kategorie im Kapitalismus ist.

00:15:16: An der dann eben bestimmte Rollenvorstellungen geknüpft sind und das hat ja vorhin schon gesagt dass das zur Legitimation der Unterordnung dient.

00:15:26: Es gibt aus den feministischen Bewegungen der siebziger Jahre einen ganz schönen Slogan, den ich vielleicht hier irgendwie noch nennen wollte.

00:15:33: Der heißt Sie nennen es Liebe wir nennen das Arbeit!

00:15:36: Da kommt das nochmal so ganz gut zum Ausdruck.

00:15:39: und vielleicht um jetzt auf deine Sabine erste Frage auch nochmal zurückzukommen warum reicht es nicht Sorgearbeit anders zu verteilen?

00:15:46: Ich hoffe dass das jetzt vielleicht ein bisschen klar geworden ist weil es eben ein systematisches Unterdrückungsverhältnis ist was darüber organisiert ist.

00:15:54: Barbara, darf ich mal kurz noch was dazu fragen mit diesem?

00:15:57: Du sagst jetzt selber.

00:15:59: Die Kategorie Frau Mann ist eine soziale Kategorie die eine materielle Grundlage hat also die nicht einfach überwindet werden kann indem wir anders drüber sprechen.

00:16:07: ja wenn wer jetzt uns bemühen mit flinter und allen anderen den gerecht zu werden sei jetzt mal so allgemein aber die materielle grundlage ändert sich nicht.

00:16:17: siehst du da vielleicht auch ein problem?

00:16:20: also wie kriegt man das hin?

00:16:22: verstehst du was ich meine?

00:16:23: Weil ich kenne zum Beispiel, umsetzt mal einfach zu sagen warum ich das frage.

00:16:26: Ich kenne ja auch viele Leute die ein bisschen genervt sind davon dieses Gefühl haben oder wo es ja auch dann irgendwie so gibt habe ich mich jetzt korrekt ausgedrückt oder sich unsicher fühlen und dass man dann oftmals in eine Situation kommt wo's dann so...ich sage jetzt mal zugespitzene rein moralische Frage ist ob ich mich da jetzt richtig ausdrücke oder nicht?

00:16:44: Und hat es vielleicht damit was zu tun, dass solange du die materiellen Grundlagen nicht mit überwindest läuft diese Sprache Gefahr genau dieses Problem zu werden.

00:16:54: Ich

00:16:54: würde sagen, einerseits ist es genauso wir müssen diese materiellen Grundlagen verändern und genau darauf zielt ja feministische Gesellschaften also kommen wir da auch bestimmt gleich drauf.

00:17:07: dann aber Es ist eben schon auch so als ich würde sagen es hat noch zwei andere Ebenen Sprache kreiert auch bewusst sein Und wir haben es im Kapitalismus und das ist ja auch ein Punkt, den du in deinen Arbeiten.

00:17:20: Wenn du über Vergesellschaft oder insgesamt über Kapitalism sprichst, auch immer ganz stark machst ... und viele Dinge, die gesellschaftliche Verhältnisse sind als quasi natürlich erscheinen.

00:17:30: Und so ist es eben auch mit diesem Geschlechterverhältnis.

00:17:33: ganz lange haben wir darüber nicht nachgedacht oder die allermeist nicht.

00:17:36: sag mal die Mehrheitsgesellschaft hat nicht darüber nach gedacht inwiefern geschlecht eben mit diesen materiellen Verhältnissen verschränkt ist und inwieferen das für bestimmte Personen dann halt nochmal eine ganz andere Form von Gewalt ist, die dadurch ausgeübt wird.

00:17:52: Insofern ist es für mich schon wichtig dass auch in der Art, wie wir darüber sprechen dem Rechnung tragen und sagen Wir sind uns bewusst darüber dass das materielle Verhältnisse sind die das kreieren.

00:18:06: Und die aber eben darüber auch nicht nur Ausbeutung sondern auch Ausschlüsse, Verletzung, Diskriminierung usw.

00:18:13: organisieren.

00:18:13: und das finde ich schon wichtig auch dem entsprechenden Rechnungen zu tragen.

00:18:18: Lass uns mal jetzt darauf gucken, warum und inwiefern feministisch vergesellschaftene Antwort auf sozusagen diese gesellschaftlichen Verhältnisse sein könnte.

00:18:29: Ja ich vielleicht muss sich auch da nochmal einmal ein ganz bisschen ausholen

00:18:34: denn

00:18:35: also einen Ausgangspunkt den wir so genommen haben war für Gesellschaftung das hattet ihr ja auch an der Anmoderation gesagt ist in der linken zurzeit Total wichtiges Thema.

00:18:45: Dank Deutsche Wohnen und Co.

00:18:46: enteignen, und das hat ja auch für mich die Debatte in diese Richtung unglaublich belebt.

00:18:53: Genau habt ihr auch in der Anmoderation gesagt anders als vor hundert Jahren geht es da fast... nie um den industriellen Sektor, sondern eigentlich immer um Bereiche der Daseinsvorsorge also der sozialen Reproduktion.

00:19:03: Obwohl es um Bereichen der soziale Reproduktion sich dreht geht das eigentlich immer nur um die Eigentumsform.

00:19:09: Also es geht nur darum die Egentumsform zu verändern.

00:19:12: und was außen vorbleibt ist dass wir eben hatten, dass für Gesellschaftung eben nicht nur eine Frage von Eigentumstiteln ist, sondern eben die gesellschaftliche Organisation der Arbeit als Ganzes betrifft.

00:19:24: Also, wenn wir die Arbeitsteilung wie eben gesagt als andere Seite des Eigentums sehen und deswegen die geschlechtliche Arbeitsteilung also Rückseite sozusagen das Geschlechterverhältnis ist.

00:19:33: Dann ist es eben so dass so gedacht feministisch vergesellschaften darauf zielt was wir am Anfang schon hatten diese kapitalistische Sphärentrennung von Produktion und Reproduktion Und mit ihr die geschlechtliche Arbeitsteilung, die Sorgearbeit an Frauen und ins private Delegiert aufzuheben.

00:19:50: Nur so wenn wir das so denken schaffen wir es eben auch die Materialität dieser gewaltvollen Geschlechterverhältnisse aufzuhäben.

00:20:00: Also wenn wir das nicht bedenken, also wenn wir nur auf die Eigentumszitel gucken bleibt halt einfach eine ganz wichtige Säule kapitalistische Ausbeutung.

00:20:07: Nämlich die Überausbeutungen von Sorgearbeit bleibt sozusagen unangetastet und damit auch für den Kapitalismus weiterhin ausbeutbar sage ich mal.

00:20:17: Ich würde sagen die Vergesellschaftung bleibt dann halbiert.

00:20:21: Und zwar ich würde jetzt sogar sagen Das ist gar nicht nur aus feministischer Perspektive so.

00:20:31: Wenn wir die Unterordnung der Produktion des Lebens oder alles, was unser Leben angeht unter die kapitalistische Ökonomie nicht mit bearbeiten, dann bleibt die Vergesellschaftung halbiert.

00:20:41: Und genau vor dem Hintergrund ist sozusagen unser Einsatz in der Debatte im Grunde zu sagen... Also zu überlegen, wie können wir eine Vergesellschaftungsbewegung denken die eben nicht nur Privateigentum aufhebt sondern tatsächlich eine Gemeinwohlekonomie schafft in der eben auch diese wichtigen Arbeiten des Sorgens nicht mehr länger abgespalten werden.

00:21:02: Sondern in der wir insgesamt aus der Perspektive des Lebens und der Bedürfnisse der Menschen planen organisieren agieren.

00:21:10: Feministisch vergesellschaft geht nicht darum die Sphäre der Reproduktion, die unbezahlte Kehrarbeit zu vergesellschaften?

00:21:21: Sondern es geht darum, die Trennung der beiden Sphären aufzuheben.

00:21:25: Das ist ja ein wichtiger Unterschied weil ich vermute dass viele des Denken feministisch vergeseltschaften das es damit zu tun hat.

00:21:33: Also tatsächlich geht es um beides.

00:21:35: Es geht in der langfristigen Perspektive darum die Sferntrennung insgesamt aufzu heben und Ich sage jetzt mal als Veränderungsperspektive und Transformationskonzept geht es dann, das ist sozusagen auf der politischen Ebene der Einsatz den wir machen.

00:21:51: Geht es darum die Sorgearbeit aus der Privatheit rauszuholen?

00:21:56: Also das ist im Grunde gedacht als ein Prozess.

00:22:00: wie schaffen wir es dieses Ferntrennung aufzuheben?

00:22:03: Das ist ja nicht so dass wir da jetzt sagen okay dann lass uns mal diese Trennungen aufheben sondern unser Einsatz Für diesen Punkt ist zu sagen, wir müssen versuchen Politiken zu denken die die Sorgearbeit aus der Privatheit, der geschlechtlichen Zuweisung und der Präkarität rausbringen.

00:22:21: in gesellschaftliche Verantwortung.

00:22:22: Also, die sie sichtbarer machen und die sozusagen auch ganz

00:22:26: andere Systeme schaffen.

00:22:27: Und formen Sie gerne organisieren damit sie nicht mehr im privaten Staat finden?

00:22:31: Genau!

00:22:31: Da kommen

00:22:32: wir dann nochmal vielleicht

00:22:32: auf die Konkretisierung

00:22:34: zu sprechen.

00:22:35: du sagst aber gleichzeitig dass dieses Projekt ein strategischer Knoten ist total wichtiger Punkt der dann auch dazu dienen kann Forderungen aus ganz verschiedenen linken und feministischen Spektren zu verbinden Und auch dem Kulturkampf von rechts etwas gemeinsam dann entgegensetzen kann.

00:22:54: Warum?

00:22:56: Ja, genau!

00:22:56: Also das ist im Grunde etwas... für uns ist es wie gesagt ein strategischer Vorschlag, von dem wir denken dass er nicht nur unterschiedliche Spektrums des feministischen Feldes, sondern insgesamt für unterschiedliche Teile des linken Feldes ein Bezugspunkt sein könnte.

00:23:15: Also für rechte Kämpfe um Hegemonie zum Beispiel stellt nachkämpfen und Migrationen und Angriffen auf resifizierte Menschen Drogen gegen Arme und vermeintliche Leistungsverweigerungen sowieso stellen.

00:23:26: aber eben diese sogenannten Moral Panics also inszenierte Kampagnen im Bereich der Geschlechter- und Familienpolitik sind ein total wichtiges Feld Und das ist ja auch so eine wichtige Debatte in der Linken.

00:23:38: Wie gehen wir damit eigentlich um, dass die Geschlecht und Gender – wie sie es immer nennen – hoch jessend?

00:23:45: Aus unserer Sicht ist es ebenso, dass wir das nicht kontern können, damit dass wir sagen, wir verschieben die Debatte auf das eigentliche Problem was ein soziales ist oder was soziale Ungleichheit ist.

00:23:55: Zum Beispiel teilweise in der antifaschistischen Wirtschaftspolitik wird so gesprochen, sondern uns geht es darum, Obwohl wir Geschlecht als ein kapitalistisches Ausbeutungsverhältnis sehen, dass wir den Kampf tatsächlich auch um das geschlechter Verhältnis und die Gesellschaft der vielen führen müssen.

00:24:13: Sie also eben nicht als Lifestyle fragen sondern als Kern der sozialistischen Transformation greifen müssen.

00:24:19: insofern ist es auch der Versuch quasi diese Themen an dem Rest der linken Debatte anzubinden.

00:24:27: Sag mal Barbara eine Nachfrage.

00:24:29: Du hast ja kurz die antifaschistische Wirtschaftspolitik angetippt, über die haben wir hier in Podcastfolgen auch schon gesprochen?

00:24:35: Wie meinst du

00:24:36: das genau?

00:24:36: Meinst du oder kritisierst du zum Teil daran dass es so ein bisschen den Anschein hat als ob gesagt wird okay um dem Rechtsruck zu begegnen müssen wir im dicken Anführungszeichen nur sozusagen die soziale Frage stärker bespielen also soziale Ungleichheit bekämpfen und da sagst du Das reicht nicht!

00:24:54: Und das wäre ein Trugschluss wenn man da schon stoppt.

00:24:57: Oder wie meinst du das?

00:24:57: Ganz

00:24:58: genau.

00:24:58: Also ich sag nicht, dass es falsch ist!

00:25:00: Ich sage nur...

00:25:01: Es

00:25:01: springt zu kurz weil wir dann einfach diesen Angriffen die auf dem Feld des Kulturellen geführt werden also dort werden ja die Kämpfe um die Köpfe werden ja über rassistische antifeministische Antiquäre, Antitrans-Politiken geführt und ich glaube wenn wir da nur Sozialpolitik dagegen setzen zwar richtig, aber eben nicht genug.

00:25:24: Wir müssen sozusagen den Kampf auch um die Köpfe auf dem Feld des kulturellen Führten.

00:25:28: Also wir brauchen ein Kulturkampf von links?

00:25:30: Ja!

00:25:30: Wir brauchen einen Kulturkampf von links der natürlich auf die ökonomischen Grundlagen dieser Herrschaftsverhältnisse zielt.

00:25:38: und das ist eigentlich genau die Frage, um die es geht wie schaffen wir es, dass beides gemeinsam zu leisten?

00:25:43: also Wie schaffen wir's den Umbau in Richtung einer Gemeinwohlökonomie anzuziehen In der dann diese sozialen Ungleichheiten abgemildert sind oder eben nicht mehr bestehen und gleichzeitig die zentralen Fragen von Lebensweise und kulturellen Fragen nicht kleinzureden, sondern sie eben immer

00:26:02: auch

00:26:02: – das ist eigentlich der zentrale Punkt zu in unserem alltäglichen Denken besser klarzukriegen dass diese Fragen von lebensweise eben auch immer Fragen von ökonomischer Herrschafts sind.

00:26:14: Die sind nicht getrennt davon

00:26:16: zu

00:26:16: betrachten mit diesem Einsatz feministischer Gesellschaften oder den Vergesellschaftungsbegriff einfach zu erweitern.

00:26:24: Halt auch die Frage verbunden, welche Allianzen können daraus vielleicht entstehen für eine linke Bewegung der Faschisierung?

00:26:35: Was entgegensetzen kann?

00:26:37: Die Frage ist was kann das auch für eine Allianz von Akteurinnen heißen?

00:26:41: und wir hatten ja vorhin schon gesagt dass die schlechtliche Arbeitsteilungen eben auch an diese normative Vorstellung von Zweigeschlechtlichkeit und Zistgeschlechtigkeit gebunden ist.

00:26:50: Und wenn wir jetzt feministisch vergesellschaften als die Aufhebung dieser Arbeitsteilung denken, dann kann das beispielsweise ein gemeinsamer Orientierungspunkt für ältere Feministinnen oder Personen aus der Frauenbewegung sein für die Marxismus-Feminismuszentral war und die ganzen Theorien sozialer Reproduktionen, die sozusagen aus dieser Teil der Debatte kommen.

00:27:17: Aber es ist eben auch ein wichtiger, aber kann auch ein richtiger Bezugspunkt für ein jüngeres Queer- und transfeministisches Spektrum sein, für die ganz viele Kämpfe tatsächlich auch um Anerkennung und Akzeptanz gehen – auch ein guter Bezugspunkt sein kann, weil damit diese Kämpfe um Anerkennung auch Teil einer sozialistischen Gesamtbewegungen werden können und nicht immer zu Problemen von vermeintlichen Minderheiten gemacht werden.

00:27:43: Also vielleicht ein bisschen plakativ zu sagen also ich glaube wir sollten Quirnes als etwas verstehen quasi als einen materiellen Einspruch gegen eine gewaltvolle Geschlechterordnung und die damit verbundene Ausbeutung zu begreifen statt immer nur als fragen sexueller und geschlechtlicher Identität.

00:28:03: Mhm,

00:28:03: klingt für mich total logisch und gut als Ansatz.

00:28:07: jetzt hätte ich natürlich die Frage siehst du denn schon das da tatsächlich in den Spektrum die Du ja auch irgendwie kennst wo Du drin steckst im Debattenräumen usw.

00:28:16: Das da tatsächlich auch so ein bisschen was zusammengeht in diese Richtung?

00:28:20: Und sich sage ich mal FeministInnen und queere Personen unterschiedliche Generationen da irgendwie treffen?

00:28:27: Ja, also ich meine das ist natürlich immer die ganz große Frage.

00:28:31: Also wir arbeiten ja jetzt zu diesem Thema unter der Überschrift Sorgende Städte in der RLS schon seit der ganzen Weile.

00:28:38: Also sorgende städte ist im Grunde die Idee eines Transformationsprojektes dass auf feministisch vergesellschaften orientiert.

00:28:46: Da geht es nicht nur um Städten feministischer zu machen sondern der Einsatz des Konzepts sorgenden Städtes zielt auf eine Vergesellschaftung.

00:28:56: Und in so einer Transformationsperspektive geht es also um den Aus- und Aufbau von neuen Infrastrukturen im Kehrbereich, und um konkrete Einstiegsprojekte.

00:29:05: Das machen wir jetzt schon seit ein paar Jahren – da sprechen wir über konkrete Projekte, sprechen wir sicher gleich!

00:29:11: Da ist unser Eindruck schon, dass das sehr unterschiedliche Personen anspricht.

00:29:16: Sowohl unterschiedliche Generationen als auch Innis mit denen wir es zu tun haben gibt es Leute zwischen zwanzig und achtzig.

00:29:23: und auch aus sehr unterschiedlichen Spektren.

00:29:25: Also ich vielleicht um ein Beispiel zu erzählen, ich war letztes Jahr auf einer Veranstaltung in Berlin-Mazan-Hellersdorf im Stadtteil im Osten der Stadt wo es eine Fachhochschule für soziale Arbeit gibt die Alice Alomon Hochschule und das war eine Veranstaltung der ASH zusorgenden Städten und ich war die Referenzien eingeladen.

00:29:43: Und dort war das Publikum tatsächlich sehr stark gespalten, da waren einerseits so viele junge queerfeministisch interessierte Studis und auf der anderen Seite waren ganz viele Rentnerinnen in dem Kiez wohnen, weil die Veranstaltung von so einem Community Outreach-Projekt der ASH war.

00:30:02: Also was versucht explizit mit der Nachbarschaft irgendwie auch eine Verbindung herzustellen?

00:30:06: Und dann waren, ich sag jetzt mal Ostrentnerinnen also es waren viele Frauen, die eine Ostsozialisation hatten jetzt in Rente sind aber natürlich ein langes Leben der Sorgekrise hinter sich haben.

00:30:18: und das war tatsächlich ne total interessante Debatte sowohl zwischen denen auch eben auch um dieses Konzept Sorgen, das steht da als so eine konkrete Utopie auf dem Weg zu einer Lösung der Sorgekrise und einer Vergesellschaftung von Sorge.

00:30:35: Damit konnten die tatsächlich diese sehr unterschiedlichen Spektren viel anfangen.

00:30:41: Und es ist jetzt nur ein Beispiel um das plakativzumachen.

00:30:45: Ich beobachte aber auch zum Beispiel dass in der Linkspartei dort aufeinander zubewegen verschiedener feministischer Spektrat an der Frage gibt.

00:30:58: Aber ich will es auch nicht überspannen, es ist ein strategischer Vorschlag und inwiefern sich das am Ende realisiert hängt auch an uns allen.

00:31:06: und genau und das ist ja auch eine Frage die wir auf der Konferenz tatsächlich dann mit verschiedenen Leuten diskutieren wollen.

00:31:14: Sehr spannend!

00:31:15: Ich habe nur mal eine Verständnisfrage und zwar gibt's hier auch von linker Seite die Kritik an der Kritik dass da der Klassenstandpunkt nicht wirklich berücksichtigt ist, paradoxerweise.

00:31:28: Weil je höher die soziale Schicht, desto mehr können sich Frauen der unbezahlten Kehrarbeit entledigen, indem sie es outsourcen.

00:31:38: Das heißt, da gibt's auch innerhalb der weiblich gelesenen Gruppe einen Klassenunterschied und das wäre jetzt erstmal ... finde ich auch, dass man beobachtet, dass immer mehr Frauen in den Arbeitsmarkt integriert werden.

00:31:54: Was ja aus dem liberalen Feminismus heraus eigentlich genau das Ziel ist.

00:31:58: Da ist so ein bisschen die Frage was es jetzt eigentliches Problem da dran?

00:32:01: Dass es nicht immer wieder mitbetont wird in der Debatte, dass es eben da auch einen Klassenverhältnis innerhalb dieser Gruppe gibt und es nicht die Frauen per se benachteiligt sind.

00:32:12: Ich habe da mal nachgefragt, was ist denn jetzt genau der Punkt?

00:32:15: Der Kapitalismus findet möglicherweise eine Antwort darauf, die wenn wir da nicht drauf gucken den Kampf schwächt.

00:32:23: Also wenn jetzt angenommen unbezahlte Kehrarbeit durch Automatisierung, durch Vermarktlichung, durch Integration aller, die bislang dafür unbezahlt zuständig waren in dem Arbeitsmarkt.

00:32:35: ist es dann nicht möglich dass Kapitalismus gar nicht angewiesen ist analytisch systematisch auf diesfern Trennung und das man dann möglicherweise an einem Punkt ansetzt, wo man den Kapitalismus gar nicht so maßgeblich stört.

00:32:49: Also verstehst du mich meine?

00:32:50: So ein bisschen nach dem Motto alle Emanzipativen Bewegungen sind bislang wunderbar integriert worden in den Kapitelismus.

00:32:56: Das ist jetzt nicht meine Meinung aber das habe ich schon gelesen hier und da.

00:33:01: Naja also ich würde jetzt darauf glaube ich antworten ja genau der Kapitalismus schafft es natürlich seine zu blöd irgendwie so personalisiert über den Kapitalismus zu sprechen, aber seine Notwendigkeit.

00:33:15: Den Arbeitsmarkt zu unterschichten Arbeit nach unterschiedlichen Kriterien auf und abzuwerten Aber in der Sendenz natürlich insgesamt abzuwerten das da gibt es eine gewisse Flexibilität Und die ist auch das hatten wir ja vorhin schon mal kurz angesprochen dass eben Phase des Entstehung des Kapitalismus und heutzutage Da sich auch viel verschoben hat im Bereich der reproduktiven Arbeit.

00:33:36: aber

00:33:36: ich würde sagen wenn jetzt durch Automatisierung und warum auch immer die Kehrarbeit zwischen Männern oder Frauen, oder allen Geschlechtern gleich verteilt wird.

00:33:47: Das kann mich mir schon theoretisch vorstellen das es passiert?

00:33:51: Aber die Abwertung des Lebens gegenüber der Güterproduktion und der Profitökonomie bleibt!

00:34:00: Und das ist ja auch das was wir aktuell sehen also... vom Neoliberalismus und teilen das liberalen Feminismus vorangetriebene Orientierung auf Erwerbsarbeit.

00:34:12: Also, super Idee Elterngeld aber es hat natürlich eine totale soziale Schieflage weil es die Leute unterstützt die gut verdienen und die nicht gut verdient bleiben irgendwie bei der Grundsicherung die sie ohnehin kriegen.

00:34:26: also wir sehen in der momentan Situation ja dass sich da im geschlechter Verhältnis viel verschiebt und diese Übrig bleibende Sorgearbeit, für die es eben im Kapitalismus keine Lösung gibt.

00:34:40: Und das ist glaube ich der zentrale Punkt.

00:34:42: also unabhängig davon wer die Arbeit macht?

00:34:44: Ist es so?

00:34:45: du kannst diese Tätigkeiten nicht Wie in der Fabrik ökonomisieren.

00:34:50: Du kannst sie nicht so rationalisieren, ein Kind zu erziehen kostet die Zeit, die es kostet eine Person zu pflegen kostet.

00:34:55: Die zeit ist kostet.

00:34:56: du kannst das technisch unterstützen aber Es gibt sozusagen maschermadeurin ne Ökonomen aus der schweiz nennt das die sogenannte Kost disease dass diese Tätigkeiten in der kapitalistischen Ökonomie einfach in in der Form Nicht mithalten können und deswegen weiterhin abgewertet bleiben müssen.

00:35:12: Und was wir momentan sehen das war der punkt den ich jetzt unbedingt noch machen wollte war dass sich da eben weitere Spaltungen und Verschiebungen in diesem Feld ergeben beispielsweise, dass wir diese völlig aus dem Ruder laufende Pflegekrise mit der wir es momentan zu tun haben dadurch kompensieren das wir Menschen aus dem globalen Süden hier ist es vor allen Dingen Osteuropa aber sind auch Philippin durch irgendwelche Pflegeabkommen nach Deutschland holen die unter unmöglichen Bedingungen also unterirdischen Löhnen.

00:35:41: Hier für uns diese Arbeit erledigen.

00:35:43: also was ich sagen will die konkreten Personen können sich verändern.

00:35:47: Aber die Abwertung der Sphäre, die bleibt und das ist glaube ich entscheidend und insofern finde ich ja, finde ich teile ich es nicht.

00:35:57: Barbara, ich habe nochmal eine Rückfrage weil ich glaube dass einfach auch noch mal ein ganz wichtiger Begriff du hast vorhin mal ganz kurz von der Entprivatisierung gesprochen oder vielleicht sogar auch schon von der doppelten Entprivatisierung und ich glaube das müssen wir nochmal klären.

00:36:09: was bedeutet das?

00:36:10: also das wäre ja ein Ziel sozusagen einer feministischen Politik, wenn ich dich richtig verstehe.

00:36:15: Was heißt das?

00:36:16: Ja ganz

00:36:16: genau also wir haben ja jetzt schon viel über dieses Ferntrenne und die Privatisierung geredet und im Grunde ist es aber so dass es eigentlich auf dieser Ebene tatsächlich habe ich vorhin ganz kurz auch schon erwähnt eine Doppelte Privatisierung gibt, weil einerseits eben an Frauen und in die Haushalte geschoben.

00:36:32: Das hatten wir gesagt aber als professionell erbrachte Dienstleistung gibt es eben seit den neunziger Jahren verstärkt auch vorher schon ein bisschen Aber seit dem Neunzige also im Zuge des Neolöberalismus Verstärkt ist dieser ganze Sorge oder Kehrbereich Und insgesamt das soziale eben auch immer stärker privatwirtschaftlich organisiert.

00:36:50: wo es früher Kirchen-Sozialverbände waren, sind jetzt nicht nur Privatunternehmen.

00:36:54: Sondern es sind tatsächlich häufig auch Fonds für Anlagekapital oder Investitionsgesellschaften die in dieses Feld reingehen also beispielsweise ganz extrem der stationären Altenpflege aber durchaus auch in der ambulanten Gesundheitsversorgung.

00:37:06: und vor diesem Hintergrund haben Alex Wiesniewski mit der ich zu diesen Fragen seit Jahren total eng zusammen arbeite wir haben in unseren Texten sprechen wir deswegen davon dass feministische Gesellschaften eben bedeutet das wir eine doppelte Entprivatisierung brauchen.

00:37:21: Warum doppelt?

00:37:22: Weil anknüpfend an das, was ich gerade gesagt habe es muss eben einerseits raus aus der Profitökonomie – das hatten wir ja auch gerade – dass eben dieses Fähre unter Profitgesichtspunkt nicht zu organisieren ist und deswegen in dieser Form im Kapitalismus immer abgewertet bleibt.

00:37:37: Und diese sozusagen raus aus die Profitökonomie sag' ich mal, das deckt sich ja auch total mit dem allgemeinen Vergesellschaftungsdiskurs eben auch raus aus der Privatisierung in die Familien als zentralen Ort, der sozialen Reproduktion muss.

00:37:58: Auch weil sie dort eben ganz häufig nicht nur über Forderungen sondern auch Isolationen Einsamkeit verursacht von Leuten, die hohe Sorgebelastung haben.

00:38:10: Genau und da gibt es eben auch gute Beispiele wie sowas aussehen kann.

00:38:14: Barbara, du hast ja jetzt schon das Beispiel der sorgenden Städte vorhin erwähnt.

00:38:18: Als ein konkretes Beispiel wo es in so eine Richtung geht von feministisch Vergesellschaften.

00:38:23: Aber das ist ja ein Beispiel was in Deutschland jetzt auch erst, sag ich mal am Anfang steht.

00:38:27: ne?

00:38:27: In einer Debatte und wir haben im Vorgespräch uns darüber unterhalten ob Du Beispiele hast aus anderen Teilen der Welt wo Du sagst Ja da passiert etwas und da passiert wirklich viel und interessantes.

00:38:38: und Du hast gesagt in Mexiko passiert einiges Nämlich unter einer linken Bürgermeisterin in Mexiko Stadt.

00:38:44: Ja, Brugada heißt sie glaube ich und Ich fand es ganz eindrucksvoll was du da berichtet hast und Teil das gerne bitte noch mal hier mit uns Was sozusagen da in den Barrios also vor allem in den armen Vierteln oder ärmeren vierteln Dieser stadt passiert unter dieser Bürgemeisterin?

00:39:02: ja genau Also Mexiko ist tatsächlich aktuell eines meiner Lieblingsprojekte In diesem Feld Und dort gibt es eben ein groß angelegtes Programm von sogenannten Sorgezentren.

00:39:15: Das ist auch ein Begriff, mit dem wir irgendwie für die hiesige Debatte viel arbeiten.

00:39:19: und in Mexiko haben sie den schönen Namen Utopias Und sind von der, du hast es erwähnt, von der linken und feministischen Bürgermeisterin Clara Brugada ins Leben gut wurde.

00:39:29: Bevor Clara Bruggada Bürgemeisterin von Mexico City wurde, war sie Bezirksbürgermeisterin eines der ärmsten Stadtviertel der Hauptstadt, Iztapalapa in dem aber immerhin eine Million Menschen leben also ein Stadtheil nur der Stadt mit einer Million Menschen.

00:39:44: Dort hat sie diese Idee der Sorgezentren initiiert und es gibt bereits vierzehn solcher Zentren eben in einem der Ärmstgegenden von Mexiko.

00:39:52: Dieses Utopias ist ein Akronym, also hat den schönen Titel der Utopie aber es ist auch ein Akonym und auf Deutsch bedeutet es Einheiten der Transformationen und Organisation von Inklusion und Sozialem Zusammenhalt.

00:40:06: Also das ist bisschen sperrig auf Deutsch, aber irgendwie sagt der Titel schon dass mit diesen Sorgezentren eben um mehr geht also im klassische Sozialpolitik, sondern um einen Umbau auch von Sorgeverhältnissen.

00:40:18: Und das Credo der Utopias ist Sorgen für die, die sorgen – das spricht sich im Spanischen ein bisschen schöner auf Deutsch auch – aber das ist genau der Punkt.

00:40:27: Also diese kommunalen Sorge-Zentren sind Teil einer umfassenden Stadtentwicklungsstrategie, also verbinden soziale Infrastrukturen Datteilen und sozusagen der Bereitstellung öffentlicher Räume.

00:40:43: Und dann insbesondere die Lebensqualität in benachteiligten Stadtteilen ins Zentrum, und im Mittelpunkt stehen immer diejenigen, die eben den größten Batzen der Sorgearbeit leisten – das sind bisher nach wie vor Frauen-, aber es berichtet sich auch an Kinder- und ältere Menschen und Menschen insgesamt mit Unterstützungsbedarf.

00:41:02: Das Ziel ist Bildung, Gesundheit, Kultur Aber auch Sport, soziale Dienstleistungen wohnortnah und kostenlos.

00:41:09: Also es sind tatsächlich öffentlich finanzierte Einrichtungen im großen Stil.

00:41:14: also man kann sich das wirklich vorstellen.

00:41:16: Das sind zum Teil riesige Neubauten die auch also kann man sich auf einer Webseite mal angucken die auch total cool aussehen

00:41:24: einfach.

00:41:25: Ja genau das wäre glaube ich toll.

00:41:27: Genau also kostenfrei wohnordner und die aber auch das Ziel haben genau diesen Punkt, über den wir die ganze Zeit reden klarzumachen.

00:41:34: Dass Sorgearbeit eben nichts ist was die Angelegenheit von Einzelnen ist sondern wofür es eine öffentliche Verantwortung braucht und was sozusagen eine gesellschaftliche Aufgabe ist und entsprechend eine öffentlichen Infrastruktur

00:41:45: braucht.

00:41:46: Diese Utopias sind je nach Kits so zu sagen indem sie sind auch jeweils ein bisschen unterschiedlich und beziehen sich auch auf die konkreten Bedarfe in den verschiedenen Teilen dieser Nachbarschaft wozu die auch Befragungen gemacht haben also Interviews mit den Nutzerinnen.

00:41:59: Und zentral ist eben, dass an einem Ort ganz unterschiedliche Angebote rund um Sorgearbeit und ein Alltag gebündelt werden.

00:42:08: Also es gibt öffentliche Wäschereien, Kiezküchen Kinderbetreuung Tagesangebote für ältere Menschen Es gibt aber auch Beratungen zu Gesundheitsfragen und Sozialberatungen.

00:42:20: Insofern sind die alle darauf ausgerichtet diesen Sorgealltag sozusagen zu entlasten.

00:42:25: Und Menschen, die eine hohe Sorgebelastung haben auch aus dem Haus zu kommen und zusammenzukommen.

00:42:30: Also man kann sich so vorstellen ich gehe morgens mit meiner alten Mutter und meiner Tochter in dieses Sorgezentrum, bringe die einen in die Kinderbetreuung und die andere in das Tagesangebot die Tagespflege Dann gebe ich meine Wäsche in der Wäscherei ab, gehe zur Physiotherapie.

00:42:46: Weil mein Rücken kaputt ist, dann mache ich am Nachmittag eine Weiterbildung im Computerkurs und auf dem Heimweg nehme ich aus der Küche noch Essen mit und muss nicht auch zu Hause alleine kochen weil dort für alle im großen Stil kosten günstig gekocht wurde.

00:43:02: Also das ist sozusagen die Idee im Grunde, Orte zu schaffen, die eine soziale Infrastruktur sind wohnortnah, kostenfrei und die einen sozialen Zusammenhalt in der Nachbarschaft noch mal anders anzielen.

00:43:15: Ich spiele jetzt mal wieder, das ist ja heute so ein bisschen meine Rolle des Teufels Advokat.

00:43:20: Also da fallen mir zwei Sachen ein, die ich schon im Ohr höre, die entsprechende Gegnerinnen sagen würden zum einen, dass muss man sich auch leisten können, das muss den Haushalt hergeben.

00:43:31: Ich kenne mich nicht aus mit Mexiko aber vielleicht weißt du was dazu wie sie das machen?

00:43:35: Und das zweite ist ... Dass Leute vielleicht eventuell damit dann assoziieren, solche negativ besetzten Bilder.

00:43:43: Ob jetzt zu Recht oder nicht?

00:43:44: Ja soll mein Kind mit sechs Wochen in die Krippe, wie es in der DDR war ist, jetzt so eine Kollektivverwaltung.

00:43:50: Oder sollen Kinder dann wie im Kippuzimm, in Kinderhäusern aufwachsen, wie auch immer das war.

00:43:56: Das will ich jetzt nicht sagen aber man kennt ja diese Einwände.

00:44:00: Ja klar, ich meine das muss man sich leisten können.

00:44:03: Das stimmt aber irgendwie ist es ja aus unserer Perspektive schon interessant dass solche Länder wie Mexiko oder ähnliche Programme gibt es auch in Chile und in Argentinien und in Kolumbien eben teilweise auf der kommunalen Ebene leisten, wenn da Leute sind die die Entscheidungen so treffen und diese Projekte irgendwie auf die ich jetzt nicht alle eingehen kann.

00:44:24: Die sind zum Teil auch unterschiedlich finanziert manchmal auch durch private Stiftungen irgendwie mit unterstützt oder teilweise sogar auch durch was natürlich auch immer amivalent ist aber teilweise auch durch den IWF also durch so Entwicklungsprogramme irgendwie mit unterstützen.

00:44:37: In Mexiko ist es so, dass unter dieser neuen Regierung die Koopzonsbekämpfung hochgefahren wurde und die Gelder für diese Zentren daherkommen.

00:44:46: Insofern ist es, glaube ich schon wie immer ja in all diesen Fragen eine Frage der Prioritätensetzung.

00:44:54: Und der Frage genau also wo halt politische Einschnitte gemacht werden, die dann eben die Kohle auch ran schaffen.

00:45:00: Also

00:45:00: wollen wir uns das leisten als Gesellschaft?

00:45:02: Genau und da ist es eben so dass jetzt Clara Brigada für Mexico City diese Entscheidung getroffen hat.

00:45:08: Das ist eines unserer zentralen Infrastruktur- und Stadtentwicklungsprojekte das eine feministische Frage ins Zentrum stellt Und damit ist sie ja jetzt schon auch mehrfach wiedergewählt worden.

00:45:19: Und tatsächlich ist es auch so, dass Sie jetzt gerade dabei sind diese Utopias von den Vierzentren die's in Iztapalapa gab auf die ganze Stadt auszuweiten.

00:45:28: also das ist jetzt geplant hundert solcher Utopius in der ganzen Stadt zu bauen.

00:45:33: und beispielsweise Argentinien innerhalb der noch nicht rechts regierten Provinzregionen Buenos Aires die versuchen das jetzt auch zu kopieren.

00:45:41: wie gesagt in Kolumbien gibt es Auch ein ganz ähnliches kommunal verankertes Projekt, in dem Sorgearbeit im Zentrum steht.

00:45:48: In Chile gab es das natürlich auch immer dann etwas was mit politischen Mehrheiten zu tun hat.

00:45:54: Aber genau!

00:45:55: Das ist eine Prioritätensetzung und eine Entscheidungsfrage.

00:45:58: Und diese DDR-Frage?

00:45:59: Ja, ich verstehe das schon irgendwie dass wenn wir sagen Sorgearbeiten muss raus aus dem Privathaus halten, dass das so klingen kann als müssten jetzt alle Kinder automatisch in die Krippe.

00:46:12: Das ist natürlich nicht gemeint, auf gar keinen Fall.

00:46:15: Weil also erstens ist Vergesellschaftung ja nicht Verstaatlichungen.

00:46:20: Ich glaube da sind wir uns eh auf jeden Fall einig und insofern ist das schon mal einen Punkt es soll auf gar kein Fall alles in staatliche Verantwortung überführt werden.

00:46:29: Und es geht aber auch nicht darum dass alles irgendwie professionellisiert geleistet wird.

00:46:33: Also das ist tatsächlich nicht der Punkt denn warum sollten wir das machen?

00:46:36: Sorgearbeit ist ja wenn sie unter guten Bedingungen erbracht wird.

00:46:42: Auch ein total wichtiger Teil unseres Lebens und was ganz schön ist, also ein ganz wertvolles Element irgendwie auch sozusagen unseres Miteinanders und bereichernder Teil wenn sie eben nicht unter diesem enormen ökonomischen und zeitlichen Druck finanziert.

00:46:56: und genau deshalb ist es eben wichtig diese Sorgeinfrastruktur auszubauen öffentlich zu finanzieren aber eben auch zu demokratisieren.

00:47:04: Also das ist ein ganz, ganz wichtiger Punkt den wir auch immer machen und es geht im Grunde nicht drum die bestehenden Sozialsysteme nur auszuweiten sondern es geht tatsächlich darum Wir sagen immer, neue Infrastrukturen zu entwerfen und zu entwickeln.

00:47:18: Und wenn wir sagen raus aus dem Privaten geht es nicht darum dass sie nicht mehr dort stattfinden kann sondern das die Verantwortung nicht mehr alleine dort liegen kann.

00:47:26: Deswegen denken wir halt und deswegen sind auch diese Sorgezentren für uns irgendwie so ein inspirierendes Beispiel weil das halt Orte sind an denen dann Diese Frage, wie können wir uns eigentlich ein anderes Sorgen jenseits von Kleinfamilien überhaupt vorstellen?

00:47:42: Ich meine das müssen wir uns ja auch klar machen.

00:47:44: Haben wir vorhin schon über die Naturalisierung gesprochen?

00:47:46: Das ist so stark Teil von uns, dass es erst mal auch so ein Effekt auslöst bei ganz vielen Leuten.

00:47:52: Also auch bei Linken die sagen ja Moment mal jetzt wollen sie irgendwie in meine Familie rein regieren.

00:47:56: aber die Frage wie können beziehungsweise und Sorgeformen entstehen?

00:48:00: Die eben nicht familiarisiert und feminisiert sind sondern wie können wir das in diesem Zwischenraum zwischen einer gemeinwohl orientiert demokratisch vielleicht genossenschaftlich betriebenen Sorgezentren und dem privaten Haushalten?

00:48:14: Wie kann dieser Zwischenraum entwickelt werden.

00:48:17: Also ich glaube aus dem Grund ist es für uns auch total wichtig, das als Schrittfolge zu denken.

00:48:24: also es geht nicht um heute irgendwas für morgen zu verändern sondern es geht darum Strukturen zu schaffen in denen wir diese Veränderung als Lebensweise auch gemeinsam entwickeln können

00:48:35: und auch lernen.

00:48:36: Lernen?

00:48:36: Genau!

00:48:37: Es geht ja total viel um zu verlernen und neu zu lernen.

00:48:41: und natürlich gibt's ja auch eine linke Kritik am Sozialstaat, nämlich dass er paternalistisch ist und passivierend ist.

00:48:48: Dass er uns immer in diese Bitsteller-Position bringt und natürlich auch das er ganz stark mit Kontrollesanktionen und straffenden Elementen verbunden ist.

00:48:56: Und wenn wir jetzt sagen es braucht neue Infrastrukturen indem wir zwischen einer öffentlichen Finanzierung und einer gemeinschaftlichen oder kollektiven Form der Organisation denken, dann sind das natürlich alles Sachen die damit auch bearbeitet werden müssten.

00:49:12: Und

00:49:12: es gibt ja auch die Kritik nicht nur die, die du jetzt genannt hast sondern auch eine grundsätzliche analytische Sicht, die sagt Der Sozialstaat ist am Ende dafür da Die Arbeitskräfte, die gerade nicht vom Kapitalverwert beeinsetzbar sind zu verwalten und zu verwahren bis das Kapital wieder Zugriff drauf hat.

00:49:28: Genau Was würde bei diesen Sorgezentren anders sein, also bezogen jetzt nur auf diese Funktion.

00:49:36: Das ist jetzt wieder so würde ich sagen die systematische und die aktuell politische Ebene, also die Sorgezentren sind ja nicht die Utopie sondern wir nennen das immer Einstiegsprojekte in der Rosa Luxemburg Stiftung insgesamt.

00:49:49: und da beziehen wir uns auch drauf zu sagen wenn gute kommunalfinanzierte Sorgezentren dieser Art in allen Stadtteilen hätten, dann könnten wir Schritte gehen und das ist ja auch immer wichtig.

00:50:00: Also dass wir versuchen Politik so anzulegen, dass sie Spielräume erweitern also dass sie eben nicht nur akut irgendeinen Problemen, irgendeine Lücke stopfen sondern dass Sie uns Möglichkeiten geben die nächsten Schritte denken zu können.

00:50:14: In dem Sinne, finde ich das was in Mexiko passiert.

00:50:17: Total faszinierend muss sich mal sagen.

00:50:18: klar Das ist jetzt noch nicht die Utopie aber es sind sozusagen tatsächlich erste Schritte.

00:50:23: und allein wenn Ich mir vorstelle dass ich die Möglichkeit habe mit meinem Kind Mit meiner älteren Mutter oder Vater irgendwie in so ein Zentrum zu gehen Und ich kann da verschiedene Ja ich nenn's jetzt erst mal Sind ja Dienstleistungen erstmal einfach einen Anspruch nehmen die aber ja nicht nur mir helfen, dass ich konkret alles an einem Ort kriege aus einer Hand gut organisiert.

00:50:44: PiPAPO!

00:50:45: Sondern auch über vielleicht Gemeinschaftskirchen in denen man da auch mit anderen gemeinsam ist – Ich mit meiner Tochter und meiner Mutter und anderen Leuten aus der Nachbarschaft.

00:50:55: Das hat für sich was als so eine unglaubliche emotionale Stütze, weil es tatsächlich diese... immer nur im privaten, immer allein in der kleinen Familie die Themen verhandeln.

00:51:06: Die das Familienleben leben aufbricht in einer Tagesstruktur, die ich mir nicht noch mal zusätzlich dann abends organisieren muss dass sich dann sage Ich muss mir jetzt raum schaffen, dass die Kinder von irgendwem anders betreut sind damit ich mal irgendwie mit einer Freundin weggehen kann.

00:51:20: Sondern ich kann in der Tat da einfach Leute treffen und es wird sozusagen alles viel kollektiver auch ein sorge Leben Und darüber hinaus besprechbar und sozusagen.

00:51:29: also das finde ich total.

00:51:31: Als erste Schritte finde ich das wirklich ein super Ansatz.

00:51:35: Ja genau darum geht es.

00:51:36: Es geht ja dann eben auch um so eine Stärkung von Nachbarschaften, von sozialen Netzen und Formen das sich umeinander kümmern die wir zum Teil jetzt schon haben also beispielsweise Sorgennetze über die Familie hinaus.

00:51:51: Die gibt es ja auch jetzt schon oder mehr Elternfamilien aber momentan haben wir halt irgendeine soziale Strukturen die solchen Formen des Sorgens wahnsinnige Hürden in den Weg legen.

00:52:00: Also als Mehr-Eltern-Familie hast du nur Probleme egal ob sind oder nicht, wir sind.

00:52:05: Und das ist sozusagen auch das Ziel, dass wir quasi auch anknüpfen an Elemente von sozialen Netzwerken die schon bestehen und die eben versuchen zu unterstützen statt sie irgendwie die ganze Zeit kleinzumachen genau.

00:52:19: Du hast ja gesagt solche Projekte hängen oft auch an politischen Konjunkturen.

00:52:23: und wer gerade irgendwie am Ruder ist – ich erinnere mich noch daran, dass vor ein

00:52:25: paar

00:52:26: Jahren es sehr viel Bezug aus einer feministischen Bewegung gab auf Spanien, vor allem auf Barcelona unter der damals linken Bürgermeisterin Ada Colau die sozusagen mit diesen sogenannten Superblockissen zum Teil zumindest ähnliches Konzept verfolgt hat, wenn ich das so richtig sehe.

00:52:41: Aber darum ist es total still geworden.

00:52:43: oder vielleicht nur mal als kurzer Eindruck von dir?

00:52:46: Naja, also tatsächlich war Barcelona auch für uns der Inspirationspunkt.

00:52:52: Das Programm in Barcelona hieß es, im Jahr zwei Tausend Fünfzehn sind die ja da gewählt worden und ab Zwei Tausende Siebzehnte haben sie das aufgelegt.

00:53:00: Das war so ein wirklich groß ausgerolltes Programm.

00:53:03: Es waren nicht nur einzelne Sorgezentren, sondern es war ein groß ausgrolltes Programm über die ganze Stadt.

00:53:07: Das hieß einem Programm zur Demokratisierung der Sorgearbeit in Barcelona Und die haben da auf der Ebene der Ressorts, haben sie das umstrukturiert, die Sachen zusammengefasst.

00:53:16: Das ganze Kehrbereich in das Wirtschaftsressort gepackt und so.

00:53:19: also wir haben da tatsächlich auch ein paar weitergehende Trukturentscheidungen getroffen und dieser Begriff der sorgenden Städte kommt daher.

00:53:26: Also Ciudadis de Quilado kommt irgendwie aus Spanien und den municipalistischen Bewegung dort und zwar nicht nur Barcelona es waren eine ganze Reihe von anderen Städten Und genau, also Sorgezentren war ein Element.

00:53:37: Aber zum Beispiel auch eins was ich wirklich toll finde die hatten ein kommunales Programm für Kinderbetreuung außerhalb der Kernzeiten auch aufgelegt was gerade für Alleinerziehende oder Menschen im Schichtdienst super wertvoll ist.

00:53:51: und was richtig cool war in Barcelona war auch dass sie das beispielsweise diesen Dienst den da musste man sich registrieren und es gab eine Hierarchie also sozusagen eine gewisse Prioritisierung von Leuten jetzt da dringende Bedarfe haben, aber im Prinzip konnte man das auch in Anspruch nehmen um sich unter ein Baum zu setzen und einen Buch zu lesen.

00:54:11: Und es wurde auch immer begleitet mit Öffentlichkeitskampagnen und sozusagen einer Debatte darum zu sagen mal eine Pause brauchen ist im Alltag von Sorgearbeit leistenden Menschen genauso wichtig wie einen wichtigen Arzttermin zu haben oder Lohnarbeit machen zu müssen.

00:54:25: Und Barcelona war wirklich ein tolles Beispiel.

00:54:27: Aber die sind halt nach der zweiten Legislatur abgewählt worden weil die Rechte gewonnen hat.

00:54:38: Kann man da sagen, das hatte sich noch nicht so weit entwickelt?

00:54:41: Das hat noch nicht soweit die positiven Wirkung gezeigt, dass es offensichtlich noch nicht erkannt wurde und dass sie rechten deshalb dann gewonnen haben?

00:54:48: Weil das ist ja schon ein bisschen schade!

00:54:50: Da ziehen die sowas Tolles auf und werden die Rechten gewählt.

00:54:53: Das ist tatsächlich so.

00:54:54: Und ich meine, dieses sorgende Stadtprogramm war ja in Barcelona auch nur ein Teil.

00:54:58: die haben ja irgendwie diese dann gemeinwohl orientierte Infrastruktur in ganz vielen anderen Bereichen auch gemacht und irgendwie sind von der Recht abgewählt worden.

00:55:05: Das, was du schilderst hier erinnert mich auch immer wieder an diese sind ja ureigene Forderungen der traditionellen Arbeiterinbewegung.

00:55:12: Ich erinnere an den sogenannten Karl-Marxhof in Wien zum Beispiel wo ja auch

00:55:17: Volkshäuser

00:55:18: wäschen alles in einem Bibliothek an den Häusern und so.

00:55:23: Und wer hat es kaputt gemacht?

00:55:24: die Fascisten?

00:55:25: Ja das ist ja interessant.

00:55:26: also da müssen wir noch mal eine neue Folge machen warum das eigentlich so ist.

00:55:31: Warum sich das immer so kaputt machen lässt oder ja gemacht wird.

00:55:35: Also vielleicht noch ein ganz kurzer Gedanke dazu.

00:55:38: Ich glaube, wenn man jetzt von heute guckt und sowas könnte das Learning aus Barcelona sein dann ist auf jeden Fall diese Frage wie schaffen wir es eigentlich?

00:55:45: Und daran knaps ja die Linke an vielen Orten Wie schaffen wir's eigentlich dass diese Projekte wirklich angeeignet werden also dass sie eben nicht Dann doch nur eine bessere Form von sozialer Dienstleistung sind sondern dass die Leute da wirklich sich investieren sozusagen.

00:56:02: Und so, und ich glaube das wäre würde ich jetzt sagen aus Barcelona etwas wo ich sagen würde das hat offenbar nicht geklappt dass die sich damit so verbinden dass sie dann dafür kämpfen

00:56:12: sich investieren, meinst du mit sich einbringen?

00:56:15: Ja um sich investiert und dann mehr zu werden.

00:56:21: Die Vermehrung des selbst!

00:56:23: Klar ich meine die Demokratisierung sozusagen auch der Stadt ist natürlich auch etwas was ganz viel mit einem selber macht im Sinne von wie nehme ich mich auch wahr als ein Subjekt dieser Demokratisierung?

00:56:34: Wie bringe ich mich ein?

00:56:34: ne?

00:56:36: Aber wir haben jetzt die ganze Zeit über Projekte außerhalb Deutschland gesprochen, die ich alle sehr inspirierend finde.

00:56:41: Gibt es denn auch hier in Deutschland Projekten, die du unter dem Label feministisch vergesellschaften verstehen würdest oder die angegangen werden?

00:56:51: Genau!

00:56:51: Es gibt ein paar Beispiele... In der RLS machen wir ja jetzt nicht Aktivismus oder Politikumsetzung, sondern Konzeptarbeit und in diese Richtung haben wir in den letzten Jahren halt genau versucht zu gucken.

00:57:02: Also das ist eigentlich die leitende Frage was könnten Einstiegsprojekte sein, die eine Vergesellschaftung von Sorge im Sinne dieser doppelten Entprivatisierung vorantreiben könnten?

00:57:11: Und da gibt es jetzt so ne Mischung aus also Studien die wir gemacht haben oder auch eigenen Konzepten und eben bestehenden Praxen um jetzt ein paar zu nennen vielleicht.

00:57:20: Also wir haben vorhin schon über die Finanzialisierung in der stationären Altenpflege geredet, dass das eben so ein Feld ist wo ganz massiv Anlagekapital in den letzten zehn, fünfzehn Jahren reingegangen ist und dann diese alten Heimat aufkauft, die Unternehmen bündelt, die Immobilien verkauft, dann von den Betreibern der Immobilie, die oft Wohlfahrtsverbände sind oder irgendwie kleine freie Träger enorme Mieten nimmt und irgendwann das ganze Geschäftsmodell implodiert.

00:57:46: Und wir haben jetzt tatsächlich in den letzten Jahren auch immer wieder eine Situation gehabt, wo dann solche alten Heimat-Insolvent gehen.

00:57:54: Dann ist natürlich die öffentliche Hand, die da einspringen muss – das ist ja ganz klar!

00:57:57: Die Verluste werden sozialisiert nachdem die Gewinne privatisiert wurden.

00:58:02: und genau an dem Punkt haben wir irgendwie angesetzt und haben so eine Studie gemacht wie sind die Geschäftsmodelle der Altenpflege?

00:58:08: Wir haben aber eben auch einen Rechtsgutachten machen lassen was auslotet welche Möglichkeiten gäbe es eigentlich für ein Profitverbot in der Altenpflege.

00:58:18: Und tatsächlich ist es so, und das kann man auf der RLS Webseite nachlesen, verlinkt ihr bestimmt, dass es Möglichkeiten gäbe zu sagen wir lassen nur gemeinwohl orientierte Träger in diesem Feld zu.

00:58:32: also beispielsweise in der Kinderbetreuung ist es in Berlin und Bremen bereits so geregelt Also dass sozusagen kommerzielle Anbieter im Bereich Kinderbetreuung zumindest nicht funktionieren, wenn sie diesen Kita-Gutschein kriegen denen es.

00:58:46: Wenn Sie öffentliche Gelder kriegen privat anbieten kannst du natürlich alles was du willst auch immer noch aber im Altenpflegebereich sind ja auch Gelder der Pflegefersicherung und eben sonst wenn Hilfe zur Pflege irgendwie eben auch Gelder aus dem sozialen Bereich.

00:59:00: Also das wäre zum Beispiel jetzt auf der Ebene von Entprivatisierung eine Möglichkeit, wo es darum ginge irgendwie da ganz konkrete politische Entscheidungen zu treffen.

00:59:11: Ein anderes Beispiel was wir auch ne kleine Studie gemacht haben ist ganz interessant.

00:59:15: Aus Österreich und zwar im Burgenland gibt es die Möglichkeit für pflegende Angehörige sich als Beschäftigte der Kommune anstellen zu lassen.

00:59:25: Pflegende Angehörige gehören zu denen oft am prekärsten pflegenden Menschen, weil sie eben entweder zusätzlich zu einer Lohnarbeit das irgendwie noch obendrauf machen oder manche eben auch deshalb ihre Lohnarbeit ganz aufgeben müssen.

00:59:39: Also durch Pflege in Armut fallen.

00:59:43: und dort ist jetzt haben die ein Programm aufgelegt wo Pflegene Angehöre dann sozusagen zum Pflegemindestlohn öffentlich beschäftigt sind damit irgendwie eine soziale Absicherung haben, aber es ist nicht nur die sozialer Absicherung.

00:59:56: Es geht damit auch einher, dass es von der öffentlichen Hand organisierte Weiterbildung für diese Personen gibt und eine regelmäßig stattfindende Supervision.

01:00:05: Weil wir haben ja schon öfter angesprochen, dass diese Überforderungen, die Einsamkeit und die Isolation in dem Alleinsein mit den zu pflegenden Menschen ein Riesenproblem ist.

01:00:14: Und das ist sozusagen ... nicht die Vergesellschaftung von Sorgearbeit.

01:00:19: Aber es sind alles Projekte, die wenn wir sie bündeln würden versuchen würden diese Grenze zwischen privaten und öffentlichen Dienstleistungen Wenn Sie denn gut sind ein bisschen stärker aufzuweichen.

01:00:28: Und letztes Projekt sind eben auch diese Sorgezentren hier Die ich irgendwie für ein sehr gutes Einstiegsprojekt halten würde.

01:00:34: und es gibt in Berlin beispielsweise Diese Initiative Es gibt eine Initiative der ist Initiative Sorge ins Parkcenter Auch im Ost-Stadtteil von Berlin Diese Initiative, die versuchen ein weitgehend leer gefallenes Einkaufszentrum in einen Sorgezentrum umzunutzen.

01:00:51: Und die Idee dabei, die finde ich wirklich ziemlich gut ist, dass es eben diese Frage von gemeinwohl orientierter Daseinsvorsorge mit einem, sozusagen dem Claim auch auf die Stadt und Schlüsselimmobilien, sozusagen der städtischen Infrastruktur verbindet und sagt, wie kann es sein dass so große Gebäude privaten Leuten gehören fast leer stehen verkehrsgünstig liegen in unseren Kiezen.

01:01:19: Und in diesem Parkcenter zum Beispiel da gibt es inzwischen nicht mehr ein Supermarkt nachdem alle Geschäfte drum herum irgendwie geschlossen haben weil es dieses Einkaufszentrum gab ist jetzt dort quasi die Infrastruktur überhaupt gar nicht mehr gewährleistet.

01:01:32: also es gibt Leute die können wenn sie kein Auto haben zu Fuß nicht mehr zum Einkaufen gehen Und daran anzusetzen und zu sagen, wir verbinden jetzt die Frage guter Sorgeinfrastrukturen mit dem auch sozusagen mit der Gesellschaft von solchen Gewerbeimmobilien.

01:01:47: Da gibt es eine total enge Zusammenarbeit auch mit dem Gesundheitskollektiv und dem Polyklinik Syndikat also dass dort eben auch dann so gemeinwohl orientierte Gesundheitsinfrastruktur reinkommen.

01:01:58: Aber ja, also ein bisschen wie ich es an dem Beispiel Mexiko schon erläutert habe ist halt auch dort die Idee.

01:02:04: Ist alles an einem Ort Die Bedürfnisse der Sorgen entstehen im Zentrum.

01:02:07: Es ist nicht kommerziell, es geht um eine schrittweise Entprivatisierung und wir arbeiten an dieser Grenze zwischen privat und öffentlich Und es sollen auf jeden Fall dort dann auch ne Kiezküche rein.

01:02:17: aber eben auch es soll auch als einen Nicht-kommerzieller Ort weiterentwickelt werden.

01:02:22: Beispielsweise für Leute, die in kleinen Wohnungen leben ist Kindergeburtstag die totale Hölle.

01:02:29: Weil zu Hause kannst du es nicht machen irgendwie die ganzen kommerziellen Angebote dies für Kinder Geburtstag gibt kann kein Mensch bezahlen.

01:02:36: also muss es Räume geben wo zum Beispiel auch sowas stattfinden kann oder Jugendweinen Konfirmationen was auch immer.

01:02:42: also dass wir sozusagen irgendwie auch das stärker zu einem Ort machen wo eben Teile dessen was sonst Zuhause stattfindet auch ausgelagert werden können.

01:02:51: Und letzter Punkt, vielleicht einfach nur um es zu erwähnen.

01:02:53: Der Landesverband der Linken hat in Berlin auch ein Aktionspaarensorgendes Stadt beschlossen im März diesen Jahres wo diese Grundideen irgendwie auch drinstecken und sozusagen vorgeschlagen wird beispielsweise so Pilotprojekte für solche Sorgezentren in Berlin.

01:03:11: mal zu...

01:03:11: Okay kurze Verständnisfrage nur zum Stand dieses finde ich total spannenden Projektes.

01:03:17: Das ist sozusagen in der Phase der Konzeptionierung und sozusagen auch der Frage des, wie entwickeln wir einen politischen Druck?

01:03:24: Aber es ist noch nicht an so einem Punkt das tatsächlich da Pflöcke eingeschlagen wurden.

01:03:28: Und seien's auch nur erste Kleine weil... Da kommt ja ganz entscheidend, kommt's ja drauf an macht er Bezirk mit bzw kriegt man den gepusht dass er mitmacht oder auch auf der Landesebene.

01:03:39: Na ja, also die Hoffnung der Initiative ist natürlich das vielleicht wenn jetzt nach den Wahlen in Berlin da sich politisch ein bisschen was dreht dass es dann mal so Politprojekte tatsächlich in die Umsetzungsphase kommen?

01:03:51: Also das ist so ein bisschen die Hoffnungen.

01:03:53: das dann vielleicht dieses Parkcenter weil es darum jetzt... Es ist in der Konzept und ich würde sagen Kiez-Mobilisierungsfrage ist es, genau da befindet sich das.

01:04:03: Also dass mit den Nachbarn geredet wird gibt's Kiezversammlungen zu denen auch wirklich viele Leute kommen und so.

01:04:08: also es wird versucht ja es ist momentan auf der Ebene von Organisationen und Konzept.

01:04:14: aber die Hoffnung wäre natürlich jetzt dann zu sagen Es soll Pilotprojekte im Bereich Sorgezentren geben.

01:04:19: Das wäre eins wo wir konkret jetzt mal versuchen können sowas umzusetzen Und natürlich auch eben von solchen Projekten wie den Gesundheitskollektiv in Berlin, ganz viel zu lernen.

01:04:30: wirklich radikal andere Gesundheitsversorgung unter den momentanen Bedingungen aber organisieren.

01:04:35: Okay, das heißt es bleibt spannend und zu gucken was im September mit der Wahl hier in Berlin passieren wird?

01:04:40: Genau!

01:04:40: Vielleicht kann ich da noch eine Sache ergänzen nämlich wir haben... Da sind jetzt gerade dabei ne Broschüre fertigzustellen die den schönen Titel hat Shopping Malls zur Sorgezentren wo das Ganze auch so als Konzept- und als Prozess irgendwie noch ein bisschen aufgedröselt wird und wo es unter anderem auch um die Frage gehen wird wie ließe sich was eigentlich auch gemeinwohl orientiert finanzieren, was ja immer die entscheidende Frage ist.

01:05:05: Also welche Möglichkeiten gäbe es eigentlich?

01:05:07: Da ist ein Gespräch mit einem Menschen von einer Gemeindwirtschaftsbank drin der auch ein bisschen erklärt wie sowas theoretisch auch möglich wäre sich solche Gebäude dann auch tatsächlich anzueignen also rückzukaufen zu Vergesellschaften wie auch immer.

01:05:24: Super!

01:05:25: Ende September wird es den Eingestiegen auch mit diesem Thema, findet diese große Konferenz feministisch vergesellschaften her.

01:05:32: Mit dem ganzen Leben statt an der Uni Bochum und die Rosa Luxemburg Stiftung hat das schon gesagt für Anstatt in Kooperation mit dem Maria Hoda Center for International Gender Studies.

01:05:43: Und jetzt nochmal zum guten Schluss Barbara Was ist dir jetzt mit Blick auf diese Konferens besonders wichtig?

01:05:50: Wer kommt da überhaupt alles?

01:05:52: Ja also Vielleicht kurz, einen Schlenker zu her mit dem ganzen Leben.

01:05:58: Wir wollen die ganze Bäckerei?

01:05:59: Genau!

01:06:00: Es ist ein Slogan aus einem ikonischen Lied der internationalistischen Feministischen Bewegung von, ich glaube, ... die eben gesagt haben, das ist dieses Lied Brot und Rosen.

01:06:16: Das kennen bestimmt einige.

01:06:19: Und da ist eine Liedzeile her mit dem ganzen Leben.

01:06:21: Es ist ganz interessant weil es wirklich auch nineteenhundertzwölf war.

01:06:25: im Grunde dass genau das Thema wir wollen Brot- und Rosen Wir brauchen sozusagen die soziale Absicherung und wir brauchen das gute Leben was eben mehr ist als die sozialen Absicherung.

01:06:34: deswegen nur noch mal um auch die Konferenz jetzt irgendwie an unser ganzes Thema anzubinden Ja, was ist mir wichtig bei der Konferenz?

01:06:41: Ich meine ich hatte es vorhin ja schon mal so ein bisschen gesagt.

01:06:44: Die Konferenz ist eigentlich jetzt der Versuch die von uns vermuteten strategischen Verknüpfungen, die wir in diesem Thema sehen... ...die vergesellschaftungsdebatte, die in der Linken in den letzten Jahren so groß geworden ist, eben nochmal um die Rosen zu erweitern diesen Vorschlag da in die Debatte zu bringen und insofern geht das tatsächlich dort vor allen Dingen darum zu versuchen, über um diese Frage unterschiedliche Teile linker Bewegung und feministischer Bewegungen miteinander ins Gespräch zu bringen.

01:07:18: Also konkret geht es um queere- und transfeministische Kämpfe.

01:07:22: Es geht um Kämpfer gegen geschlechtsbasierte Gewalt.

01:07:26: Es wird um kämpfe, um reproduktive Gerechtigkeit also dass der Kampf um Schwangerschaftsabbrüche mehr ist als nur my body might choice sondern eben auch eine Frage von sozialer Infrastruktur.

01:07:37: Es geht um natürlich Kämpfe gegen Rassismus und Bewegungsfreiheit, aber auch um Militarisierung.

01:07:42: Und alles überwölbend die große Frage wie können wir Allianzen gegen die Faschisierung voranbringen?

01:07:48: Also und alle diese Spektren sind auch eingeladen Die Konferenz ist all gender also offen für alle und natürlich ist sie wie alle LLS-Konferenzen auch kostenfrei.

01:08:01: und thematisch wollen wir sowohl auf der Ebene der Analyse, alle diese Fragen bearbeiten und eben gucken inwiefern diese Themen die uns am Herzen liegen gerade von der Rechten so ausgebeutet werden.

01:08:13: Und irgendwie inwieferen die damit versuchen den Kampf um die Köpfe zu führen und vor allen Dingen auch wie unsere jeweiligen Anliegen in dieser Autoritarisierung und Faschisierung immer wieder gegeneinander ausgespielt werden.

01:08:27: also auf einer analytischen Ebene erstmal diese Sachen anzugucken um dann eben zu schauen wie wir auf der Praxisebene dann da etwas entgegensetzen können.

01:08:36: und auf der Konferenz wollen wir auf jeden Fall einen Fokus auf diese Einstiegsprojekte legen, über die wir jetzt schon viel gesprochen haben.

01:08:43: Es wird auch eine internationale Konferent sein.

01:08:46: Wir werden irgendwie mindestens zwanzig, fünfundzwanzig internationale Gäste auch haben aus dem Netzwerk der RLS.

01:08:52: Und genau uns mit all diesen Fragen hoffentlich... produktiv beschäftigen und danach den Start in die feministische Vergesellschaftung beginnen.

01:09:02: Sehr schön!

01:09:03: Also liebe Leute, wenn ihr euch für die Konferenz noch nicht angemeldet habt aber spätestens jetzt nach unserer Sendung da ganz heiß drauf seid dann könnt ihr euch noch anmelden und wir sagen vielen vielen Dank für dieses total interessante Gespräch.

01:09:15: Ja danke Barbara.

01:09:16: Es war sehr leereich.

01:09:18: Ich danke euch, fand es sehr angenehm mich mit euch darüber zu unterhalten.

01:09:23: Ja, und wie immer gilt wenn ihr Anregungen habt oder Fragen dann schreibt uns gerne unter armutszeugnis at rosalux.org.

01:09:32: Danke fürs Zuhören!

01:09:33: Ja danke schön und macht's gut bis zur nächsten Folge Auf

01:09:36: Wiederhören.

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